HOME

ENERGIE: Opec hat es zunehmend schwerer

Die Konjunkturprobleme der Industriestaaten hat die Nachfrage nach Opec-Öl empfindlich zurückfallen lassen. Das bedeutet weiter Druck auf die Ölpreise.

Für die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) wird das wirtschaftliche Umfeld nach Einschätzung von Experten aus der Ölbranche im Jahr 2002 zunehmend schwieriger. Die konjunkturellen Abkühlung in den Industriestaaten hat die Nachfrage nach Öl der Opec bereits empfindlich zurückfallen lassen und eine Belebung wird einige Zeit auf sich warten lassen, hieß es. Das bedeutet auf unabsehrbare Zeit Druck auf die Ölpreise. Dieser wird durch zusätzliche Ölmengen aus Förderländern, die nicht dem Kartell angehören, in Zukunft noch zunehmen.

Kartell verliert an Macht

In erster Linie dürften nach Ansicht der Experten die nicht mehr der staatlichen Kontrolle unterliegenden russischen Ölkonzerne und ehemalige Staaten der früheren Sowjetunion mit immer größeren Mengen Rohöl an die internationalen Märkte drängen und damit die Preis drücken und der Opec Marktanteile streitig machen. Das Kartell kontrolliert derzeit rund zwei Drittel der weltweiten Ölexporte. Nach Berechnungen der Internationalen Energieagentur (IEA) werden aber Ölförderung und Angebot der nicht zur Opec gehörenden Produzentenländer schon im nächsten Jahr deutlich wachsen. 2002 erwartet die IEA ein zusätzliches Rohölangebot der unabhängigen Förderländer von 920.000 Barrel täglich (bpd), nachdem diese ihre Exporte bereits in diesem Jahr um 600.000 bpd steigern dürften. Allein Russland wird im nächsten Jahr durchschnittlich zusätzliche 430.000 bpd Rohöl anbieten, schätzt die Energieagentur. Ein Barrel entspricht 159 Liter.

Konkurrenz russischer Ölkonzerne

Russland ist mit neun Prozent der weltweiten Ölförderung und einem Drittel der Erdgasreserven zu einem der stärksten Konkurrenten im Energiesektor außerhalb der Opec gewachsen, seit der Staat die Ölkonzerne weitgehend in die Unabhängigkeit entlassen hat. »Sie spielen eine Rolle auf einer großen Bühne und haben dafür immer mehr auch die Fähigkeit entwickelt«, sagte Ronald Oligney, Professor an der Universität Houston in Texas. Die wachsende Macht der russischen Ölindustrie bereitet vor allem Saudi-Arabien als bislang weltgrößtem Ölexporteur und Führungsmacht der Opec zunehmend Sorgen. Nach einer Reihe von Export- und Förderdrosselungen wegen schwindender Ölnachfrage beträgt die Ölproduktion des Königreichs derzeit nur noch etwa eine Million Barrel pro Tag mehr als die Russlands. Seit Jahresbeginn hat die Opec die Obergrenze für ihre Ölexporte um 3,5 Millionen bpd auf derzeit 23,2 Millionen bpd reduziert.

Andere Förderländer mauern

Wegen des Verfalls der Ölpreise nach den Anschlägen in den USA am 11. September bis unter 17 Dollar je Barrel hatte sich die Opec lange bemüht, die Unterstützung der nicht dem Ölkartell angehörenden Förderländer für eine Stabilisierung der Ölpreise durch weitere Exportdrosselungen zu gewinnen. Im November hatten die Opec-Ölminister eine Einschränkung der Ölexporte ab 1. Januar 2002 um 1,5 Millionen bpd beschlossen. Von den unabhängigen Ölproduzenten forderten sie eine Reduzierung der Ölausfuhren um insgesamt 500.000 bpd als Beitrag zur Marktstabilisierung. Erst nach langem Zögern und nur schrittweise hatte schließlich auch Russland eine Einschränkung seiner Ölausfuhren um 150.000 bpd zugesagt.

Russland braucht Öl zur Schuldentilgung

Experten sind jedoch nicht sicher, ob Russland, dass stark von den Einnahmen aus dem Ölgeschäft zur Tilgung seiner Schulden von rund 140 Milliarden Dollar abhängig ist, diese Zusage tatsächlich voll einhalten wird. Einige Beobachter schließen nicht aus, dass die russischen Ölkonzerne die Drosselung auf Basis der Spitzenexporte des dritten Quartals berechnen könnten. Zudem beharren die russische Ölkonzerne darauf, dass die Einschränkung der Exporte ausschließlich Rohöl betrifft. Sie wollen die Reduzierung der Ölausfuhren durch Exporte von Produkten wie Benzin, Heizöl und Diesel kompensieren.

Schon immer wichtiger Faktor

Es wäre nicht das erst Mal, dass ein Schwall russischen Öls die Märkte überflutet, sagten Analysten aus der Ölbranche. »Von Zeit zu Zeit hatte russisches Öl in der Vergangenheit weltweit beträchtlichen Einfluss. Der Beginn war die Entwicklung einer eigenen Ölindustrtie in der Region um Baku Ende des 19. Jahrhunderts, welche die weltweite Vormachtstellung des US-Ölkonzerns Standard Oil gebrochen hat«, schrieb Daniel Yergin in seinem Buch »The Prize« über die Geschichte des Öls.

USA begrüßt Entwicklung

Die USA begrüßen den Experten zufolge das Wiedererstarken Russlands als Ölmacht außerhalb der Opec. Die Sorge um die Versorgungssicherheit ermutigetdie Regierung von Präsident George W. Bush, neue Alliierte im Ölgeschäft außerhalb des Ölkartells zu finden. Die Position der Opec, die sich angesichts wachsender Konkurrenz durch andere Ölförderländer ohnehin um ihre Marktanteile sorgt, wird dadurch geschwächt. Für zusätzlichen Druck auf das Kartell sorgt außerdem das seit dem 11. September gespanntere Verhältnis zwischen den USA und der Herrscherfamilie des Königreichs. »Saudi Arabien«, so sagt Amy Jaffe vom Baker Institute for Public Policy, »scheint weniger bereit zu sein, für moderate Ölpreise zu sorgen.«

Themen in diesem Artikel