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EUROPA: 2002 werden Ratingabstufungen überwiegen

Der Kandidatenkreis für Herabstufungen wird auch in Europa größer, da immer mehr Unternehmen mit einer hohen Schuldenlast zu kämpfen haben.

Die Kredit-Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P) rechnet nach eigenen Angaben damit, dass es auch 2002 in Europa mehr Herab- als Heraufstufungen der Bonität von Anleihe-Emittenen geben wird. Es ist nicht zu erwarten, dass sich der Gesamttrend umkehren wird, da europäische Unternehmen mit einer hohen Schuldenlast zu kämpfen haben, teilte S&P in London mit. Viele europäische Unternehmen haben ihre Bilanzen auf Vordermann gebracht, um die Aktionäre zufrieden zu stellen, teilte Barbara Ridpath, Managing Director bei S&P für Europa, mit. Aber das langsame Wachstum in Europa macht es ihnen nun zunehmend schwierig, so schnell zu wachsen, dass die gestiegene Kreditlast bedient werden kann.

Negativtrend wird bleiben

Es ist also mit einer Fortführung des negativen Trends zu rechnen. Schließlich stehen sieben Prozent der Bewertungen mit negativen Implikationen unter Beobachtung (CreditWatch) und weitere 17 Prozent sind mit einem negativen Ausblick (Outlook) behaftet. Insgesamt übertraf die Zahl der Herabstufungen im vergangenen Jahr in Europa die der Heraufstufen im Verhältnis 3,3 : 1 (Vorjahr 2,2 : 1). Versorger, Hersteller von Konsumgütern, Telekomgesellschaften, Medienfirmen und Transportwerte werden 2002 wahrscheinlich am stärksten betroffen sein, hieß es.

2000 noch unterboten

Im abgelaufenen Jahr war es nach Angaben von S&P im Zuge des weltweiten Wirtschaftsabschwungs zu Rekordausfälle bei Anleihe-Emittenten gekommen. Dabei wurden Anleihen von 211 Unternehmen mit einem Nennwert von 115,4 Milliarden Dollar nicht mehr bedient. Damit wurde das bisherige Rekordniveau aus dem Jahr 2000 in Bezug auf Volumen und Anzahl der Ausfälle noch übertroffen. S&P zufolge wurden unter anderem 162 Unternehmen aus den USA und auch ein deutscher Emittent, die Brokat AG, mit »Default« (Ausfall) bewertet. Zu den US-Firmen gehörten der kollabierte Energiehändler Enron, die kalifornischen Stromversorger Pacific Gas & Electric Co und Southern California Edison sowie viele Neueinsteiger in die Telekommunikation.

Breitere Streuung der Ausfälle

Im vergangenen Jahr hatte die Telekommunikationsbranche mit 18,5 Prozent der Emittenten den höchsten Anteil an den Ausfällen gehabt, hieß es von S&P weiter. In diesem Jahr werden die Ausfälle aber voraussichtlich breiter gestreut sein, hieß es.

Argentinien führt

Im krisengeschüttelten Argentinien zählte S&P 15 Ausfälle von Unternehmensanleihen, in Kanada neun, fünf in Großbritannien, vier in Australien, drei in Polen und zwei in Mexiko. Je ein Unternehmen aus Deutschland, Griechenland, Indonesien, den Niederlanden, Norwegen, den Philippinen, Südkorea, Russland, Thailand, Venezuela und von den Bermudas hat seine Schulden nicht bedient, teilte S&P weiter mit.

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