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Flugzeugbau: Tankjet-Jahrhundertdeal für Airbus geplatzt

Der Airbus-Konzern EADS ist beim "Jahrhundertgeschäft" mit der US-Luftwaffe für 179 Tankflugzeuge im Wert von 35 Milliarden Dollar aus dem Rennen. Der US-Partner Northrop Grumman zog das gemeinsame Angebot zurück. Er begründete das mit unfairen Wettbewerbsbedingungen.

Airbus verliert endgültig den Milliardenauftrag für neue US-Betankungsflugzeuge an Boeing. Der US-Konzern Northrop Grumman, der seit fünf Jahren gemeinsam mit der EADS -Tochter um den Auftrag kämpft, tritt nicht mehr bei der Neuausschreibung des 35-Mrd.-$-Auftrags an. Dies teilte der drittgrößte US-Rüstungskonzern nach Börsenschluss mit. Damit ist auch Airbus aus dem Rennen.

Northrop Grumman-Chef Wes Buch begründete den Rückzug mit den geänderten Ausschreibebedingungen, die eindeutig Boeing begünstigen würden. Daher werde Northrop Grumman gar nicht mehr antreten. Der Konzern habe auch beschlossen, nicht gegen die neuen Bedingungen zu protestieren, obwohl es gewichtige Gründe gebe. Eine weitere Verzögerung sei aber nicht verantwortungsbewusst.

Frist läuft bis 10. Mai

Der Ausstieg von Northrop Grumman/Airbus aus dem Wettbewerb ist besonders bitter, weil das transatlantische Team 2008 die Ausschreibung gegen Boeing gewonnen hatte. Der US-Konzern erreichte nach Protesten, dass der sogenannte Jahrhundertauftrag mit geänderten Bedingungen nun neu ausgeschrieben wurde.

Die Frist für die Abgabe des Angebots läuft bis 10. Mai. Ohne einen US-Partner ist es für Airbus aber praktisch nicht möglich, alleine anzutreten. Für Airbus und den Mutterkonzern Boeing bedeutet der Ausstieg aus dem Tankerwettbewerb einen herben Rückschlag in den Plänen, auf dem größten Rüstungsmarkt der Welt stärker Fuß zu fassen. Zudem wäre mit dem Tankerauftrag die erste Airbus-Endmontage in den USA verbunden gewesen.

Proktektionismus der US-Regierung?

Wie es bei Branchenkennern heißt, hat Northrop Grumman offensichtlich keine Chancen gesehen, den Wettbewerb zu gewinnen, obwohl die US-Luftwaffe sich für das europäische Airbus-Modell ausgesprochen hatte. Wegen der Aussichtslosigkeit bei der Bewerbung habe Northrop Grumman jetzt die Reißleine gezogen.

Die Entscheidung unter US-Präsident Barack Obama, die Ausschreibung zu Gunsten von Boeing abzuändern, wird von einigen politischen Beobachtern mit protektionistischen Überlegungen der US-Regierung verknüpft. Die geänderte Neuausschreibung sei auch ein schwerer Rückschlag für transatlantische Rüstungsprojekte.

Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" hatten vier europäische Regierungschefs bereits im Dezember an den US-Präsidenten mit der Bitte um einen fairen Tanker-Wettbewerb geschrieben. "Der Präsident hat noch nicht einmal eine Antwort für erforderlich gehalten", heißt es.

Von Gerhard Hegmann / FTD