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EADS-Aus im US-Rüstungsdeal: Gegen den Geist eines fairen Wettbewerbs

Deutschland warnt vor Protektionismus, Frankreich vor "möglichen Folgen": Das EADS-Aus in der Tankflugzeug-Ausschreibung führt zu Spannungen zwischen Europa und den USA.

Der Rückzug der Airbus-Mutter EADS aus dem Bieterrennen um einen Milliardenauftrag für US-Tankflugzeuge hat zu offenen Spannungen zwischen Europa und den USA geführt. Die EU-Kommission wäre "extrem besorgt", falls die Ausschreibung den US-Hersteller Boeing bevorzugt habe, erklärte Handelskommissar Karel De Gucht am Dienstag. Deutschland warnte die USA vor Protektionismus, EADS-Miteigner Frankreich vor "möglichen Folgen".

Am Montagabend hatten der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS und sein US-Partner Northrop Grumman ihren Ausstieg aus dem Riesenprojekt erklärt. Als Grund gaben sie an, dass die Ausschreibung klar auf den US-Konkurrenten Boeing zugeschnitten sei. Bei dem Riesenauftrag geht es um 179 Tankflugzeuge für rund 35 Milliarden Dollar (25,7 Milliarden Euro). EADS und Northrop Grumman hatten für ihn 2008 bereits den Zuschlag erhalten, die US-Regierung hatte ihn dann aber nach Protesten von Boeing wegen Verfahrensfehlern neu ausgeschrieben.

Die Kommission werde nun "weitere Entwicklungen in dem Fall sehr genau verfolgen", erklärte Handelskommissar De Gucht in Brüssel. "Es ist höchst bedauerlich, wenn ein wichtiger potentieller Anbieter sich außerstande fühlt, für einen Vertrag dieser Art zu bieten.

Er sei über das Vorgehen des US-Verteidigungsministeriums enttäuscht, erklärte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Boeing werde "durch die US Regierung deutlich bevorzugt". Und in der aktuellen Wirtschaftslage schadeten "schon Anzeichen von Protektionismus", erklärte der Minister.

Paris werde zusammen mit der EU-Kommission "die neue Entwicklung und ihre möglichen Folgen untersuchen", sagte ein Sprecher des französischen Außenministeriums. Paris stelle mit "großer Enttäuschung fest", dass die Ausschreibung durch das Pentagon faktisch zu einer Vorauswahl von Boeing führe. Dies verstoße gegen den Geist eines fairen Wettbewerbs.

"Die US-Luftwaffe weiß, dass wir bei weitem das bessere Produkt anbieten", sagte der deutsche Airbus-Chef Thomas Enders der Onlineausgabe der "Financial Times Deutschland". EADS-Chef Louis Gallois sagte in Paris, die Ausschreibung verschaffe Boeing "einen Vorteil". "Wir haben keine Möglichkeit, den Wettbewerb zu gewinnen."

Die US-Regierung wies Vorwürfe einer Bevorzugung von Boeing zurück. Die Ausschreibung sei "fair strukturiert" gewesen, erklärte Vize-Verteidigungsminister William Lynn am Montag (Ortszeit) in Washington. EADS/Northrop und Boeing hätten "einen echten Wettbewerb" austragen können.

Für EADS ist der Verlust des Rüstungsauftrags ein weiterer Schlag nach den Turbulenzen um den stark verspäteten Airbus-Militärtransporter A400M. Der drückte den Konzern im vergangenen Jahr kräftig ins Minus. EADS wies am Dienstag für 2009 einen Nettoverlust von 763 Millionen Euro aus. Für den A400M musste der Konzern weitere 1,8 Milliarden Euro zurückstellen; bisher waren es 2,4 Milliarden Euro gewesen. Aber auch für den Airbus A380, den größten Passagierjet der Welt, musste EADS wegen Lieferverzögerungen Rückstellungen von nochmals 240 Millionen Euro bilden.

Für 2010 erwartet EADS einen weitgehend stabilen Umsatz, nachdem dieser im vergangenen Jahr bei 42,8 Milliarden Euro lag. "Maximal" werde Airbus so viele Maschinen wie 2009 ausliefern, als das Unternehmen mit 498 Flugzeugen einen Rekord verbuchte.

APN / APN