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A400M: Poker um Militärtransporter geht in die nächste Runde

Zwei Tage haben sie verhandelt, die Abnehmer des Militärtransporters A400 M und der Hersteller EADS. Von einer Lösung im Kostenstreit um Europas größtem Rüstungsprojekt sind sie weit entfernt. Der Bundesverteidigungsminister hält gar nichts vom neuen EADS-Vorschlag.

Der Milliardenpoker zwischen dem Hersteller EADS und den europäischen Abnehmerstaaten über den Militärtransporter A400M geht in eine neue Runde. Deutschland sperrt sich weiter gegen eine Aufteilung des Auftrags in mehrere Tranchen, was auf einen höheren Preis hinausliefe. "Verhandlungsbasis war und bleibt der Vertrag", hieß es am Freitag nach einer zweitägigen Verhandlungsrunde der Staatssekretäre mit EADS-Chef Louis Gallois und Airbus-Chef Tom Enders in Berlin. Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) machte im Gesprächt mit der Nachrichtenagentur Bloomberg unmissverständlich klar: "Für das gleiche Geld weniger zu bekommen, ist für mich inakzeptabel." Die Bundesregierung hält noch an dem Flugzeug fest, aber nicht um jeden Preis. Der Transporter ist Europas größtes Rüstungsprojekt. Ursprünglich hatten die sieben europäischen Bestellnationen bei Vertragsabschluss 2003 einen Festpreis von 20 Milliarden Euro für 180 Flugzeuge und eine relativ kurze Entwicklungszeit vereinbart. Dies ist in der Branche sehr ungewöhnlich, da sich Rüstungsprojekte in den allermeisten Fällen verteuern und verzögern. Beim A400M werden die Mehrkosten inzwischen auf 7,6 bis 11,2 Milliarden Euro geschätzt. EADS will davon 5,2 Milliarden Euro auf seine Kunden abwälzen. Für weitere 2,4 Milliarden Euro hat der Konzern bereits Rückstellungen gebildet.

So funktioniert die Tranchenlösung: Die Staaten erhalten zum vereinbarten Festpreis zunächst eine geringere Anzahl von Flugzeugen und verhandeln über den Rest später neu. Damit würde das Finanzproblem künftigen Regierungen überlassen, die 2020 entweder neue Gelder für die restlichen Flugzeuge aufbringen oder sich zum Ausstieg aus dem Projekt entschließen müssten.

Nächstes Gespräch am Dienstag

Die Krisengespräche gehen voraussichtlich am Dienstag in Berlin weiter. Bis zum Ablauf eines Stillhalteabkommens Ende Januar soll eine Einigung erzielt werden, hieß es am Rande der Verhandlungen. In der jüngsten Gesprächsrunde seien allerdings kaum Fortschritte erzielt worden, es lägen keine neuen Vorschläge auf dem Tisch. EADS nannte die Gespräche schwierig. Die Frist bis Ende Januar wird wohl bis zur letzten Sekunde ausgereizt. Deutschland ist mit 60 Flugzeugen größter Abnehmer des A400M, der bei der Bundeswehr die über 30 Jahre alten Transalls ersetzen soll. Im Gegensatz zu Frankreich und Spanien lehnt die Bundesregierung die finanziellen Nachforderungen von EADS ab.

Die Wirtschaftsprüfer von PriceWaterhouseCoopers geben dem EADS-Management eine Mitschuld an der A400M-Misere. Es habe offenbar bei diesem Projekt kein Finanzcontrolling gegeben. Überstiegen die Verluste die erwarteten 7,6 Milliarden Euro, könnte der Konzern zu einer Kapitalerhöhung gezwungen sein, warnten die Prüfer. Dabei ist die Aktie jetzt schon unter Druck: Anfang 2006 lag der Kurs bei 35, heute bei rund 14 Euro.

Reuters / Reuters