Freizeit Japaner träumen vom Las Vegas des Ostens


Wenn es nach Shintaro Ishihara geht, könnten die Folgen der Wirtschaftskrise in Japan spielend einfach gelindert werden. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: mit Spielkasinos.

Der ansonsten für seine nationalistische Gesinnung bekannte Bürgermeister von Tokio, Shintaro Ishihara , tritt neuerdings dafür ein, das Glücksspiel in Form von Kasinos zu legalisieren. Kürzlich ließ er sogar für zwei Tage die 45. Etage seines Rathauses in ein kleines Attrappen-Kasino samt Roulette-Tischen verwandeln, um für seine Idee zu werben. Ishiharas Argument ist leicht zu folgen: Japans Hauptstadt steckt in Finanznot.

Forderungen nach Kasinos

Und damit steht Tokio keineswegs allein da. Angesichts der andauernden Wirtschaftskrise mit rekordhoher Arbeitslosigkeit und Bergen fauler Bankkredite setzen sich inzwischen auch andere Bürgermeister und Provinzgouverneure im ganzen Land für eine Änderung der Gesetze ein, in der Hoffnung, die klaffenden Löcher in den öffentlichen Steuerkassen zu stopfen. In Tokio schätzt man, dass der Bau einer Kasino-Anlage samt Hotels, Kinos und anderen Einrichtungen einen wirtschaftlichen Impuls von jährlich 220 Milliarden Yen (1,7 Mrd Euro) brächte und 14.000 Arbeitsplätze entstehen könnten.

Glücksspiel meist verboten

Bislang ist Japan eines der wenigen Industrieländer, in denen Kasinos verboten sind. Glücksspiel ist den Japanern jedoch keineswegs fremd. So sollen Zweidrittel der Besucher südkoreanischer Kasinos Japaner sein. Im eigenen Land sind lediglich Wetten bei Pferde-, Motorboot-, Auto- und Fahrradrennen sowie staatlich überwachte Zahlenlotterien und seit einiger Zeit auch Fußball-Toto legal. Extrem populär sind Pachinko-Hallen, auch wenn sie offiziell nicht unter Glücksspiel geführt werden. Dabei werden Metallkugeln in Automaten geschüttet in der Hoffnung, dass sie ein Trefferloch finden. Nur dank rechtlicher Schlupflöcher können die Sachpreise in bares Geld getauscht werden.

Hintertürchen heißt "Pachinko"

Das Geschäft mit Pachinko ist ein enormer Wirtschaftszweig. Genauso könnte es sich nach Auffassung von Befürwortern mit Kasinos verhalten. Fünf Provinzregierungen überbrachten der Zentralregierung in Tokio am Donnerstag eine Petition, in der sie eine rechtliche Aufhebung des Kasino-Verbots fordern und sich im Rahmen eines Regierungsprogramms zur Bildung von Sonder-Deregulierungszonen für die Schaffung von Kasino-Bezirken einsetzen. Auch eine Anzahl an Politikern unterstützen das Vorhaben. Und selbst das Justizministerium soll sich Medienberichten zufolge inzwischen bereit gezeigt haben, die ganze Angelegenheit wenigstens zu diskutieren.

Rettung durch Roulette?

Unternehmen, auch ausländische, wittern bereits Geschäftschancen. Doch nicht jeder schließt sich den rosigen Prognosen über die Rettung Japans mit Hilfe von Spielkasinos an. Kritiker führen neben dem Verfall der Moral durch Glücksspiele als weitere Argumente die mögliche Einmischung des organisierten Verbrechens, Korruption und Steuerhinterziehung an. Ihr Mann verjubele bereits sein Geld in Pachinko-Hallen, klagt eine japanische Hausfrau auf Okinawa im Internet. Wenn es nun auch noch Kasinos gebe, werde ihr Leben vollends ruiniert. Manche Kritiker zweifeln auch die Profitabilität von Kasinos an. Schließlich seien in jüngster Zeit einige öffentliche Glücksspielbetreiber von Pferde- oder auch Radrennen pleite gegangen.


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