HOME

Führungswechsel: Postbank-Chef Schimmelmann tritt ab

Gut acht Jahre hat Wulf von Schimmelmann die Postbank geführt - und aus einem renditeschwachen Staatsunternehmen eine hochmoderne, börsennotierte und zugleich profitable Bank gemacht. Sein Nachfolger Wolfgang Klein ist 43 und Ex-McKinsey-Berater.

In seinen gut acht Jahren an der Spitze der Postbank hat Wulf von Schimmelmann aus einem renditeschwachen Staatsunternehmen eine hochmoderne und profitable Privatkundenbank gemacht. Nun verlässt der 60-Jährige Deutschlands größte Filialbank mit 14,6 Millionen Kunden Ende Juni auf dem Gipfel des Erfolges.

Bis zuletzt schwieg er sich zu den seit Monaten kursierenden Gerüchten über einen vorzeitigen Rücktritt aus. "Ich habe das große Glück, dass ich derzeit nichts tun muss, was mir keinen Spaß macht", meinte von Schimmelmann spitzbübisch grinsend auf die Frage, ob ihm seine Arbeit noch Freude bereite.

Jobs abgebaut, Gewinne gesteigert

Dabei hatte der in Steinhöring östlich von München geborene Banker nicht immer nur Spaß an seiner Arbeit. Von Schimmelmann musste die 1995 vom Bund in die Selbstständigkeit entlassene Bank komplett umkrempeln. Der Technik-Liebhaber investierte in eine leistungsfähige IT und sorgte so für mehr Effizienz. Zugleich drückte der promovierte Wirtschaftswissenschaftler die Kosten und baute die Beratung über Internet und Telefon aus.

Die Zahl der Mitarbeiter sank so von 1998 bis 2002 um gut ein Sechstel, während der Gewinn stetig kletterte. Heute beschäftigt die Bonner Bank, die 2005 Deutschlands zweitgrößte Bausparkasse BHW gekauft und 850 Filialen der Deutschen Post übernommen hat, an die 22.000 Mitarbeiter.

Ruhige, unaufgeregte Art

Bei all den Umbauarbeiten kam von Schimmelmann seine ruhige, überlegte Art zu Gute. "Wir gehen dann über den Fluss, wenn wir am Ufer angekommen sind", lautet ein Motto das Bankers. "Und das lebt er auch", heißt es dazu in seinem Umfeld. Ein Mitarbeiter legt Wert auf die Feststellung, dass er den Chef noch nie laut oder ausfallend erlebt hat.

Seine Unaufgeregtheit half von Schimmelmann im Sommer 2004, die Postbank trotz heftigen Gegenwinds erfolgreich an die Börse zu führen. Zeitweise liebäugelte die Deutsche Bank mit der Übernahme der Bank, während sie sie als Emissionshaus begleitete. Zudem gelangten vertrauliche Studien nach außen, die den Wert des Börsenkandidaten in Frage stellten. Dennoch war die Emission zweieinhalbfach überzeichnet. Die Aktien, zum Preis von 28,50 Euro verkauft, kosten heute mehr als das Doppelte. Die Lorbeeren erntete von Schimmelmann im September 2006, als die Postbank für Schering in den Leitindex Dax aufrückte.

Karriere durch die Banken

Der adelige Postbank-Chef - mit vollem Namen Wulf Freiherr von Schimmelmann - begann seine Karriere 1972 als Berater bei McKinsey. Nach Stationen in Zürich, Cleveland, Kuwait und Düsseldorf wurde er 1978 zum Partner ernannt. Noch im gleichen Jahr wechselte er in den Vorstand der Landesgirokasse in Stuttgart (heute Teil der LBBW). 1984 rückte er in den Vorstand der DG Bank auf, die er sieben Jahre später verließ und zur BHF-Bank wechselte. Damit hat der begeisterte Hobby-Segler alle drei Sektoren des deutschen Kreditwesens kennengelernt. 1997 machte sich Schimmelmann mit einer Beteiligungsgesellschaft selbstständig, zwei Jahre später wurde er zur Postbank geholt.

Hans G. Nagl/Reuters / Reuters