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Fusion: Allianz nennt erstmals Details zu Dresdner-Kauf

Nachdem die Allianz lange zu geplanten Maßnahmen und dem Zeitplan schwieg, sollen jetzt Investoren von der Übernahme überzeugt werden, bevor der Aktienkurs weiter leidet.

Rund zwei Monate nach der Ankündigung der Übernahme der Dresdner Bank will die Allianz auf ihrer Bilanzkonferenz am Donnerstag endlich konkrete Zahlen zu den erwarteten Wachstums- und Synergiepotenziale nennen. »Langsam wird es Zeit«, sagte Merck-Finck-Analyst Konrad Becker. Nach den schwachen Quartalszahlen der Dresdner Bank wächst Analysten zufolge der Druck auf den Versicherer, die Investoren von der Übernahme im Wert von knapp 23 Milliarden Euro zu überzeugen und die Vorteile zu beziffern. Die Zahlen zum ersten Quartal 2001, die die Allianz ebenfalls vorlegen will, sind dabei nur von untergeordnetem Interesse. Wegen Sondereinflüssen und fehlenden Vergleichszahlen haben die Quartalsergebnisse wenig Aussagekraft.

Formelles Übernahmeangebot

Am Donnerstag legt die Allianz auch das formelle Übernahmeangebot an die Dresdner-Aktionäre vor. Der nach Marktkapitalisierung größte Versicherer der Welt bietet dabei den Aktionären des drittgrößten deutschen Kreditinstituts für je zehn Aktien einen Anteilsschein der Allianz und 200 Euro in bar. Mit der Übernahme entsteht der weltweit viertgrößte Finanzkonzern.

Langes Schweigen belastete Kurs

Bisher blieb die Allianz konkrete Aussagen über Synergie- und Wachstumspotenziale sowie einen Zeitplan der Integration schuldig. »Das hat auch den Kurs belastet«, sagte Becker. Nach der Ankündigung der Übernahme Anfang April waren die Aktien der Allianz von Kursen um die 330 Euro auf ein Jahrestief von 285,50 Euro gefallen. Mittlerweile haben sich die Papiere wieder erholt und notierten am Mittwochmorgen mit knapp einem Prozent im Minus bei 319,75 Euro.

Analysten warnen vor großen Hoffungen

Gleichzeitig dämpften die Analysten die Hoffnung auf die Beantwortung aller Fragen auf der Bilanzpressekonferenz und des am Freitag stattfindenden Analystengesprächs. »Es ist wichtig, um die Richtung anzugeben, aber das Risiko ist, dass die Leute wieder enttäuscht sein werden«, sagte Commerzbank-Analyst Andrew Goodwin. »Was das Management für gut hält, hält nicht immer auf der Markt für gut«, fügte er hinzu. Carsten Zielke sagte, man solle die Erwartungen an diesen Termin nicht zu hoch schrauben. »Die müssen ihren Laden jetzt erstmal zum Laufen bringen.« Aus Bankenkreisen hieß es, die Zahlen würden nicht zu umfangreich und detailliert sein.

Private Altersvorsorge ist Wachstumsmark

Die Allianz hat in der Vergangenheit immer die Wachstumschancen des neuen Konzerns betont, der Versicherungen, Bankdienste und Fondsprodukte aus einer Hand anbieten wird. Das Allfinanzkonzept bietet gerade im wachsenden Markt der privaten Altersvorsorge Vorteile. Kostensynergien spielen eher eine untergeordnete Rolle, hatte Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle auf einer Analystenkonferenz gesagt und das Potenzial für Einsparungen auf 100 bis 150 Millionen Euro geschätzt. 2001 rechnet die Allianz für den integrierten Konzern allerdings mit einer Stagnation beim Gewinn nach Steuern auf pro-forma Basis von drei Milliarden Euro.

Fusion wird US-Expansion bermsen

Viele Analysten haben sich skeptisch zu den Allfinanzplänen der Allianz geäußert. Das Ziel, das Filialnetz der Dresdner Bank besser als Vertriebsweg für seine Versicherungsprodukte zu nutzen, hätte der Konzern auch durch eine engere Kooperation erreichen können. Außerdem bündelt die Übernahme einer ganzen Bank Management-Kapazitäten, was auch die Expansionspläne zum Beispiel in den USA verzögern könnte. »Es ist so wichtig, dass die Integration der Dresdner Bank funktioniert, dass sie zu beschäftigt sein werden, um das zu ergänzen«, sagte Karlos van Endert von BNP Paribas. Er bewertete die Übernahme jedoch insgesamt positiv. »Finanziell bringt es genug Wachstumspotenzial, dass wir es mögen«, sagte er.

Kaum einer wagt Schätzungen

Schätzungen für die Quartalszahlen der Allianz wollten nur wenige Analysten wagen. »Das ist wie Stochern im Nebel, weil es so viele Sondereinflüsse gibt,« sagte Merck-Finck-Analyst Becker. Er rechnet mit einem Quartalsüberschuss von 575 Millionen Euro und Bruttobeitragseinnahmen (ohne fondsgebundene Lebensversicherungen) von 14,4 Milliarden Euro. Carsten Zielke erwartet dagegen einen Überschuss von 632 Millionen Euro und Bruttoprämieneinnahmen (inklusive fondsgebundene Lebensversicherungen) von 17,4 Milliarden Euro.

Sabine Bub