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Großbritannien: Bank senkt Leitzins auf Rekordtief

Rekord-Zinstief in Großbritannien: Der Leitzins steht aktuell auf dem tiefsten Stand seit 315 Jahren - bei nur noch 1,5 Prozent. Am Donnerstag gab die Bank of England die Senkung um 0,5 Prozentpunkte bekannt. Und die britische Regierung erwägt im Kampf gegen die Finanzkrise, die Notenpresse anzuwerfen.

Die Bank von England hat am Donnerstag den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 1,5 Prozent gesenkt und damit den tiefsten Stand ihrer 315-jährigen Geschichte erreicht. Es handelte sich um die vierte Zinssenkung in Folge. Zum Höhepunkt der Bankenkrise im vergangenen September hatte der Zinssatz noch bei fünf Prozent gelegen.

Im Kampf gegen die Finanz- und Wirtschaftskrise haben die führenden Notenbanken weltweit die Zinsen drastisch heruntergefahren. In den USA hatte die Notenbank die Leitzinsen auf faktisch Null abgesenkt. Die Europäische Zentralbank hatte Anfang Dezember für die Euro-Länder den Leitzins von 3,25 auf 2,5 Prozent reduziert. Eine weitere Zinssenkung wird in Kürze erwartet.

Nach Medienberichten erwägt die britische Regierung angesichts des lahmenden Kreditgeschäfts, frisches Geld zu drucken. Nachdem die Notenbank nach den Leitzinssenkungen bald nicht mehr viel Spielraum zum Ankurbeln der Konjunktur hat, könnten so zusätzliche Milliarden in die schwache Wirtschaft gepumpt werden, wie mehrere britische Zeitungen am Donnerstag berichteten. Mit dem frischen Geld könnten faule Kredite von den Banken abgekauft werden. Danach könnten diese Banken der Wirtschaft wieder mehr dringend benötigte Kredite geben.

Finanzminister Alistair Darling bezeichnete diese Diskussionen als "hypothetisch". Das Ministerium schaue sich eine Reihe von Maßnahmen an, um die Wirtschaft zu unterstützen. Niemand spreche aber derzeit darüber, zusätzliches Geld zu drucken. Am Vortag hatte Darling eingeräumt, dass über die Mechanismen der Finanzpolitik nachgedacht werden müssen, wenn der Zinssatz sich nahe Null befinde. Notenbank und Finanzministerium würden dabei "Hand in Hand" arbeiten. Parallel zu der Zinsentwicklung hatte auch das Pfund im Vergleich zum Euro stark an Wert verloren. Während man Anfang 2008 für ein Pfund noch 1,36 Euro bekam, waren es am letzten Handelstag vergangenen Jahres nur noch 1,04 Euro. Anfang 2009 erholte sich die britische Währung wieder und lag am Donnerstag wieder etwa bei 1,10 Euro.

DPA / DPA