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Großfusion: Flotter Banken-Dreier geplant

Die Gerüchte um das Entstehen einer zweiten deutschen Großbank erhärten sich: Allianz und Commerzbank verhandeln über eine Fusion mit der Postbank. Experten sind jedoch skeptisch - eine Dreierfusion sei zu komplex. Arbeitnehmervertreter warnen vor massivem Stellenabbau.

In den Poker um Großfusionen in der deutschen Bankenbranche kommt allmählich Bewegung. Finanzkreisen zufolge führen Allianz und Commerzbank Gespräche über ein Zusammengehen mit der Postbank. Es gehe darum, die Allianz-Tochter Dresdner Bank mit den beiden Häusern zu fusionieren, um neben der Deutschen Bank einen zweiten nationalen Champion zu schmieden, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Allerdings seien die Verhandlungen noch in einem sehr frühen Stadium und könnten durchaus auch scheitern. Über Details sei noch nicht gesprochen worden.

Branchenexperten sehen ein solches Vorhaben skeptisch. Die Gewerkschaft Verdi warnte vor einem massiven Stellenabbau. Nach Meinung von Bundesvorstand Uwe Foullong stünden bei einer Fusion bis zu 20.000 Jobs auf dem Spiel. An der Börse sorgten die Spekulationen über ein Dreier-Bündnis dagegen für reichlich Fantasie: Die Aktienkurse der betroffenen Häuser legten deutlich zu.

Analyst Robert Mazzuoli von der LBBW glaubt nicht an einen "großen Wurf". "Eine Fusion von gleichzeitig drei Banken wäre äußerst komplex. Die Gefahr eines Scheiterns schätzen wir in diesem Fall sehr hoch ein", sagte er. DZ-Bank-Analyst Thorsten Wenzel rechnet eher damit, dass die Allianz zunächst versuchen dürfte, die Dresdner mit der Commerzbank zusammenzubringen. In einem zweiten Schritt könne das neue Institut dann mit der Postbank fusionieren. Ein direktes Übernahmeangebot der Allianz für die Banktochter der Deutschen Post sieht er kritisch. Der Münchener Versicherer könne eine solche Offerte nicht ohne Kapitalerhöhung stemmen, sagte Wenzel.

Allianz-Chef Michael Diekmann hatte am Mittwoch erstmals eingeräumt, Sondierungsgespräche über die zuletzt Verluste schreibende Banktochter zu führen. "manager-magazin.de" hatte berichtet, Allianz und Commerzbank hätten bereits ein Gebot über zehn Milliarden Euro für die Postbank abgegeben. ´

Dreierfusion auf einen Schlag zu komplex

In Finanzkreisen hieß es jedoch, von einer Offerte seien die Banken noch weit entfernt. Seit einigen Monaten wird darüber spekuliert, welche Banken sich verbünden könnten. Immer wieder betonen Bankchefs, sämtliche Institute würden derzeit ihre Möglichkeiten prüfen. Bei einer Übereinkunft könne ein Zusammenschluss aber sehr schnell konkret werden, sagte ein Insider. Andere Branchenkenner sind jedoch skeptisch: "Eine Fusion von drei großen Banken auf einen Schlag wird nicht funktionieren, weil es zu komplex ist", sagte ein Banker.

Bankenexperte Wolfgang Gerke hält Gedankenspiele einer Dreier-Fusion zwar für plausibel. Es gibt aber noch zu viele offene Fragen - etwa die Anteilsverteilung an einem fusionierten Institut. Dieses Thema hatte sich schon Anfang des Jahrzehnts als Knackpunkt bei der geplanten Fusion von Commerzbank und Dresdner erwiesen. "Die Zeit für Fusionen ist aber mehr als reif", sagte Gerke.

Nur eine international wettbewerbsfähige Bank

Außer Branchenprimus Deutsche Bank kann hierzulande kein Haus international mithalten. Politiker favorisieren daher die Bildung einer zweiten deutschen Großbank. Zumindest bei der Zukunft der Postbank kann der Bund mitreden: Er ist an der Post noch beteiligt und hat bis Januar 2009 ein Vetorecht.

Post-Chef Frank Appel will sich mit der Entscheidung zur Postbank aber noch Zeit lassen. Kreisen zufolge wollen die Bonner erst einmal ihre Probleme im US-Geschäft lösen. Bei der Allianz drängt die Zeit dagegen. Die Dresdner kämpft wegen der Finanzkrise mit Milliardenbelastungen. Aktionäre fordern eine Trennung. Derzeit spalten die Münchener die Privat- und Geschäftskundensparte von der Investmentbank Dresdner Kleinwort ab, um die Zukunft des Instituts flexibler gestalten zu können.

Reuters / Reuters