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Haustiere: Der Wellensittich ist für die Katz'

Mehr Single-Haushalte, häufigeres Verreisen, neue Familienkonstellationen: Der Umsatz der Tierfutterbranche sagt mehr über den Wandel der Gesellschaft aus, als man auf den ersten Blick vermutet.

In jedem dritten Haushalt in Deutschland gibt es mindestens ein Haustier. Ohne Zierfische und Reptilien sind das insgesamt 31 Millionen Exemplare. Doch welche Art von Tier sich die Deutschen in ihre Wohnungen holen, das hat sich in den vergangenen 15 Jahren stark verändert - und damit verschieben sich auch die Geschäftsfelder der Tierfutterhersteller.

Katzen sind die klaren Gewinner des demografischen Wandels. Sie leben oft in Singlehaushalten und profitieren von der steigenden Zahl allein lebender Menschen. Das besagen zumindest die Zahlen der Futtermittelbranche in Deutschland. Der Umsatz für Katzenfutter stieg seit 1999 um 61 Prozent und lag 2012 bei satten 1,5 Milliarden Euro. Wellensittiche und Kanarienvögel hingegen sind alles andere als Trendtiere. Wurde 1999 noch Käfigvogelfutter für 118 Millionen umgesetzt, waren es im Vorjahr nur mehr 47 Millionen. Kleintiere wie Meerschweinchen, Mäuse und Hamster sind immer seltener in Haushalten zu finden.

Neue Bedingungen für die Industrie

Die Futtermittelhersteller reagieren auf den Wandel. "Je mehr Single-Haushalte es gibt, umso mehr Katzen gibt es auch", sagt Detlev Nolte vom Industrieverband Heimtierbedarf. Kleintiere hingegen seien vor allem für Familien mit Kindern geeignet: "Wenn sich die Familienstrukturen ändern, sind auch Kleintiere betroffen", so Nolte.

Das beste Beispiel für die Auswirkungen des Wandels ist Vitakraft. Bisher hatte das Bremer Traditionsunternehmen vor allem den Appetit von Nagetieren, Vögeln, Fischen und Reptilien gestillt. Das Geschäft stockt seit Jahren, weshalb sich die Bremer nun mit der Deuerer GmbH, einem Spezialisten für Katzen- und Hundenahrung aus Baden-Württemberg, zusammen tun wollen.

Marktführer für Tiernahrung in Deutschland ist Mars Petcare, die unter anderem Pedigree, Whiskas und Cesar vertreiben - allesamt Hunde- und Katzenfuttermarken. Petcare steht damit an der Spitze einer Branche, die im Vorjahr 3,8 Milliarden Euro umsetzte.

Single-Katze und Reise-Hund

Neben Katzen sind Hunde nach wie vor weit oben auf der Beliebtheitsskala der Haustiere in Deutschland. Allerdings nehmen die Futtermittelhersteller einen Trend hin zum "Stadt- und reisetauglichen Hund" im klein- oder mittelgroßen Format wahr. Der Köter im XXL-Format gilt als Auslaufmodell, entsprechend ändert sich die Futternachfrage. Nach Angaben des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe leben ca. 12,3 Millionen Katzen in rund 16,5 Prozent der deutschen Haushalte. In 13,4 Prozent der Haushalte bellen etwa 7,4 Millionen Hunde.

Das Rheingold-Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen erforscht seit mehr als zehn Jahren das Thema Katzenhaltung. Es hat den schnurrenden Vierbeiner schon vor Jahren zum "Trendtier" erklärt. Der Geschäftsführer des Instituts, Psychologe Jens Lönneker, sieht in der veränderten Haustierwahl ein Spiegelbild der Gesellschaft: "In einer stark individualisierten Welt will man sich nicht binden, hat aber zugleich das Bedürfnis nach Zuneigung und Zärtlichkeit." Sein Institut kommt in einer Studie zu dem Schluss: "Viele Katzenhalter sehen eine Parallele zwischen sich und ihrer Katze." Pflegeleicht, unabhängig, keine Gassi-Gänge und dennoch bekommt der Besitzer von seiner Katze Zuneigung und Dankbarkeit.

juho/Ralf E. Krüger, DPA / DPA
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