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HOLZMANN: Die Hoffnung starb zuletzt

Das Schicksal des Baukonzerns Holzmann mit insgesamt 23.000 Beschäftigten ist besiegelt. Der Vorstand der Philipp Holzmann AG musste auf Grund akuter Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Frankfurt/Main ein Insolvenzverfahren beantragen.

Insolvenz beim Amtsgericht beantragt

Das Schicksal des Baukonzerns Holzmann mit insgesamt 23 000 Beschäftigten ist besiegelt. Der Vorstand der Philipp Holzmann AG musste am Donnerstagabend auf Grund akuter Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht Frankfurt/Main ein Insolvenzverfahren beantragen. Die drei Großbanken Dresdner, Commerzbank und HypoVereinsbank hatten sich bis zuletzt geweigert, in die gemeinsame Front der 23 Gläubigerbanken zurückzukehren.

Der Holzmann-Vorstand hatte am Donnerstagmittag noch einmal an die Gegner des Sanierungskonzeptes appelliert, die Hilfe nicht zu verweigern. Nach Angaben von Finanzvorstand Johannes Ohlinger hatte die Deutsche Bank nochmals zusätzliche Finanzmittel bereitgestellt, um die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Dazu gehörten Barmittel in Höhe von 50 Millionen Euro und eine Bürgschaft über 10 Millionen Euro. Darüber hinaus sagte sie ihre Unterstützung für den Rückkauf von Wandelschuldverschreibungen zu. Dies hätte das Holzmann- Eigenkapital um 120 Millionen Euro verbessert.

In Frankfurt hatten am Mittag etwa 400 Holzmann-Beschäftigte und Gewerkschafter vor den Zentralen der Dresdner und der Commerzbank für die Rettung des Baukonzerns vergeblich demonstriert. Im Inland sind bei Holzmann rund 10 000 Personen beschäftigt.

Die Schäden einer Insolvenz summieren sich nach Darstellung von Ohlinger auf mindestens 1,3 Milliarden Euro. Eine weitere Finanzhilfe hätte die Banken dagegen nur mit 250 Millionen Euro belastet. Nun seien etwa 25 000 Arbeitsplätze bei Holzmann und den Nachunternehmen gefährdet.

Insolvenzverfahren soll Firmen möglichst erhalten

»Das Insolvenzverfahren dient im Kern dazu, ein Unternehmen wenn möglich zu erhalten, die verbleibenden Vermögenswerte zu sichern und die Ansprüche von Gläubigern bestmöglich zu befriedigen«, erläutert der Frankfurter Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Götz Lautenbach in einem Gespräch mit Reuters. Über das Insolvenzverfahren bestimmen die Regelungen der Insolvenzordnung, des Aktien- und GmbH-Rechts.

INSOLVENZ MUSS BINNEN DREI WOCHEN ANGEZEIGT WERDEN

»Nach den Regelungen des Aktien- und GmbH-Rechts hat jedes Unternehmen, sobald es Kenntnis über seine Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung erlangt, eine Frist von drei Wochen, um über einen Insolvenzantrag zu entscheiden«, erläutert Lautenbach.

»Entweder es kommt innerhalb dieser Zeit zu einer Lösung mit den Gläubigern oder es besteht die Verpflichtung, einen entsprechenden Antrag beim zuständigen Insolvenzgericht, das Amtsgericht, zu stellen.« Dabei könne der Antrag sowohl vom Unternehmen selbst als auch von den Gläubigern gestellt werden.

»Das Gericht prüft, ob ein Insolvenzgrund vorliegt und ob genügend Vermögenswerte vorhanden sind, um ein Verfahren zu eröffnen«, sagt Lautenbach. Die Prüfung könne das Gericht selbst vornehmen, aber auch einen Gutachter oder einen vorläufigen Insolvenzverwalter einschalten. Meist würden bei größeren Firmen vorläufige Insolvenzverwalter eingesetzt, da diese schon die Sicherung von Vermögenswerten vornehmen könnten.

VORLÄUFIGER INSOLVENZVERWALTER SICHERT VERMÖGENSWERTE

Der vorläufige Insolvenzverwalter führt in dieser Phase in Zusammenarbeit mit dem Management die Firma fort. Unter seiner Kontrolle befinden sich die Vermögenswerte, wie Bankkonten oder Maschinen. Zudem darf er Forderungen bei Unternehmensschuldnern einziehen. Auch ist er für die Bezahlung der Mitarbeiter zuständig, wobei Lautenbach zufolge die Löhne in der Regel über Kredite finanziert werden. »Die Mitarbeiter treten meist ihre Ansprüche, die sie gegen die Bundesanstalt für Arbeit auf Insolvenzgeld haben, an die Banken gegen die Vergabe des Kredites ab.«

ERÖFFNUNG DES INSOLVENZVERFAHRENS

»Das Gericht entscheidet nach der Prüfung des Insolvenzverwalters über die Eröffnung des Verfahrens«, erläutert Lautenbach. Nach einem Eröffnungsbeschluss liege die Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens dann bei den Gläubigern.

Sie hätten drei Möglichkeiten: Die Erstellung eines Insolvenzplans, die Zerschlagung des Unternehmens oder die Übertragung des Vermögens auf eine Auffanggesellschaft. Sinn und Zweck einer Auffanggesellschaft ist, überlebensfähige Teile eines Unternehmens zu erhalten und damit Arbeitsplätze zu sichern.

Grundsätzlich werden bei einer Zerschlagung alle Gläubiger aus der verbleibenden Vermögensmasse zu gleichen Anteilen befriedigt. Allerdings gibt es Ausnahmen: »Wenn sich die Gläubiger so genannte Sicherungsrechte haben einräumen lassen, werden sie vorrangig befriedigt«, erklärt Lautenbach. In der Regel lassen sich Banken solche Rechte an Grundstücken oder Maschinen zur Absicherung ihrer Kredite einräumen. Auch lassen sich die Banken Forderungen von Kunden an sie abtreten.

Ein Insolvenzverfahren kann allerdings mehrere Jahre dauern. Dabei laufen Gläubiger oftmals Gefahr, nicht mehr in ihren finanziellen Ansprüchen befriedigt werden. »Wenn alles versilbert ist, dann ist das Verfahren aber beendet«, so Lautenbach.

von Walter Schröder