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Industrie: Die heimliche Elite

Sie sind spitze auf dem Weltmarkt - und in Deutschland oft unbekannt. Es sind nicht allein die allgegenwärtigen Großkonzerne mit klangvollen Namen wie Siemens, Telekom oder Volkswagen, die der flauen Konjunktur mehr oder weniger trotzen.

Es gibt sie noch, die deutschen Erfolgsunternehmen, die auch weltweit punkten. Meist tun dies die so genannten "hidden Champions" des Mittelstands, die heimlichen Stars, die sich auf fast allen Märkten der Welt tummeln und die vielen Deutschen oft ganz fremd sind. Dabei fahren etwa die Lastwagenanhänger von Schmitz Cargobull aus dem westfälischen Horstmar auf allen Autobahnen Europas. Doch niemand nimmt die Allgegenwart wahr. Ein anderer Fall sind die Saubermänner von Kärcher aus Winnenden bei Stuttgart, Hersteller von Hochdruckreinigern. Vor 30 Jahren setzte die Firma rund 20 Millionen um, heute sei es rund eine Milliarde Euro, sagt der Bonner Unternehmensberater Hermann Simon, Experte für verborgene Juwelen unter Firmen. Ihre Gewinnzahlen hüten diese Unternehmen wie ein Staatsgeheimnis.

"Unschlagbar in Europa"

Schmitz Cargobull hat seinen Umsatz laut Simon in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. Das Unternehmen sei "unschlagbar in Europa", betont er. Schmitz-Vorstandschef Bernd Hoffmann will bis 2008 die Produktion von knapp 28.000 auf 55.000 Fahrzeuge verdoppeln. Im laufenden Geschäftsjahr solle die Marke von einer Milliarde Euro Umsatz überschritten werden. Kärcher, weltgrößter Hersteller von Hochdruckreinigern, beschäftigt in 38 Ländern 5800 Mitarbeiter. 2003 stellte Kärcher fünf Millionen Hochdruck- und Dampfreiniger sowie Kehrmaschinen und Autowaschanlagen her.

Die heimlichen Stars "wollen Weltmarktführer werden, sie fokussieren sich auf das, was sie können, und das weltweit", erklärt Simon. Mehr als 1000 "hidden Champions", die europaweit Marktführer oder Nummer Eins oder Zwei der Welt seien, gebe es bundesweit. Die oft familiengeführten Mittelständler seien im Grunde die "wahren Helden der Marktwirtschaft", betont auch Bodo Risch, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen in Münster. "'Hidden' (verborgen) bleiben sie nur im öffentlichen Verständnis."

Nachfolgeregelung ist oft das Hauptproblem

Als "Champion" gilt auch der Motorsägenhersteller Stihl im baden-württembergischen Waiblingen mit ständig wachsendem Absatz. Ein Phänomen sei der Coesfelder Farbhersteller Ostendorf, sagt Risch. "Ostendorfs Kunden sind die Baumärkte, die Obis dieser Welt." Die "Champions" versuchen so groß zu sein, dass nachfragemächtige Handelsunternehmen auf sie angewiesen sind. Im Grunde in aller Munde, aber kaum bekannt sei apetito im westfälischen Rheine, Europas Marktführer für Kantinenkost. 2003 steigerte apetito den Umsatz auf 387 Millionen Euro.

In einem Punkt jedoch kämpften die heimlichen Stars ebenso wie andere familiengeführte Mittelständler: "Die Nachfolgeregelung ist das Hauptproblem." Kein Wunder in Unternehmen, in denen laut Risch der Chef noch selbst entscheidet und auch mit seinem eigenen Geld gerade steht. Warum die "hidden Champions" verborgen bleiben? "Es liegt viel daran, dass große Unternehmen im Massenmarkt tätig sind", erklärt Thilo Pahl, Referent für Grundsatzfragen der Wirtschaftspolitik beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). "Jeder kennt Sony oder BMW." Die Mittelständler seien oft eher als Zulieferer tätig. "Wer weiß schon wie viel (von deren) Intelligenz hinter einem Volkswagen steht? Das geht in der Marke VW unter."

Thomas Strünkelnberg/DPA / DPA
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