Insolvenz Traditionskonzern Grundig meldet Insolvenz an


In mehr als 50 Jahren expandierte der Nürnberger Unterhaltungselektronik-Konzern Grundig vom Familienunternehmen zum Weltkonzern - und schrumpfte wieder zum Mittelständler.

Nachdem der fränkische Unterhaltungselektronikkonzern Grundig jahrelang ohne Erfolg einen finanzstarken Investor gesucht hat, meldete der Konzern Insolvenz an. Das hoch defizitäre Traditionsunternehmen, das in der Vergangenheit kontinuierlich Arbeitsplätze abgebaut hat, beschäftigt noch rund 3500 Mitarbeiter.

"Wir haben Antrag auf Insolvenz gestellt", sagte Grundig-Finanzchef Günter Moissl am Montag zu Reuters. Weitere Angaben machte er nicht. Ein Sprecher der Nürnberger Justiz bestätigte den Eingang des Antrags. Das zuständige Gericht werde im Laufe des Vormittags darüber entscheiden.

Am Anfang der Grundig-Geschichte stand ein "Heinzelmann". So nannte Firmengründer Max Grundig (1908-1989) sein Radiogerät, mit dem er 1946 den Grundstein des Imperiums legte. Bereits 1950 verließ das 500.000. Radiogerät die Fabrik. Der "Heinzelmann" gehörte zu den größten Verkaufsschlagern der Nachkriegszeit. In den späten 60er Jahren war Grundig eine der ersten Firmen, die einen Farbfernseher auf den Markt brachten. Auf dem Höhepunkt der Firmengeschichte im Jahr 1979 beschäftigte das Unternehmen rund 38.000 Mitarbeiter und verfügte über 30 Werke im In- und Ausland. Doch dann verpassten die Franken den Anschluss an neue Entwicklungen. Mit zu hohen Preisen geriet Grundig ins Hintertreffen - vor allem gegenüber der Konkurrenz aus Fernost.

1980 rutschte Grundig in die roten Zahlen. Tausende Beschäftigte verloren ihre Stelle. Nach langer Partnersuche übernahm 1984 der niederländische Elektronikriese Philips die unternehmerische Verantwortung. Max Grundig zog sich aus dem Geschäft zurück. Aber Philips bekam das Geschäft auch nicht in den Griff.

Nach hohen Verlusten gaben die Niederländer 1997 auf. Zunächst übernahm ein Bankenkonsortium die Führung. Ende 2000 stieg der Rosenheimer Antennenhersteller Anton Kathrein ein, der 89 Prozent der Anteile hält. Wenig später begann die Suche nach einem finanzstarken Investor. Doch die Verhandlungen sowohl mit dem taiwanesischen Sampo-Konzern als auch mit der türkischen Beko-Gruppe scheiterten.


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