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100 Jahre Max Grundig: Pionier des Wirtschaftswunders

Er war eine der großen Symbolfiguren des deutschen Wirtschaftswunders: Der Unternehmer Max Grundig baute nach dem Zweiten Weltkrieg von Fürth aus mit Radios, Tonband- und Fernsehgeräten den größten deutschen Unterhaltungselektronik-Konzern mit Milliardenumsätzen auf. Vor 100 Jahren, am 7. Mai 1908, wurde Max Grundig in Nürnberg geboren.

Der Sohn eines Lagerverwalters machte zunächst eine Lehre in einer Nürnberger Installationsfirma. Bereits als 22-Jähriger eröffnete er in Fürth ein Einzelhandelsfachgeschäft für Rundfunkgeräte. Grundig war aber nicht nur Händler, er war auch selbst Bastler und Tüftler und beschäftigte sich mit dem Bau von Radios und Bildfunkgeräten. Mit der Produktion von Trafos war er so erfolgreich, dass er bereits 1938 die erste Umsatzmillion erzielte.

Der endgültige Durchbruch gelang ihm 1946 mit dem "Heinzelmann", einem Radio-Selbstbaukasten, mit dem Grundig das alliierte Verbot des Radio-Verkaufs umging. Damit legte der pfiffige Franke den Grundstein zu dem Imperium, das er in den folgenden Jahrzehnten aufbaute. 1957 beschäftigte Grundig bereits 15 000 Menschen, in der Blütezeit Ende der 1970er Jahre waren es 38 000. Der Konzern zählte damals 23 Produktionsstätten allein in Deutschland, außerdem Werke in zahlreichen europäischen Ländern. 1982 schaffte das Unternehmen die Umsatzmarke von drei Milliarden Mark (1,53 Milliarden Euro).

Grundigs Rezept war ebenso einfach wie erfolgreich: Er setzte auf billige Massenproduktion. In den 1950er und 1960er Jahren gab es kaum einen deutschen Haushalt ohne Grundig-Radio oder -Fernseher. Doch genau diese Strategie brachte den "Monarchen der Marktwirtschaft" unter Druck, als japanische Produkte den deutschen Markt eroberten. Grundig schrieb Verluste, und in den 1980er Jahren verloren Tausende von Beschäftigten ihren Job. Der Patriarch, dessen robuster Führungsstil gefürchtet war, musste auf Partnersuche gehen. Der niederländische Philips-Konzern stieg in Fürth ein und übernahm 1984 die volle unternehmerische Verantwortung.

Max Grundig selbst zog sich mit einer Garantiedividende von jährlich 50 Millionen Mark zurück. Sein Geld investierte er in Hotels; so kaufte er das Schlosshotel "Bühlerhöhe" und baute es zu einem Luxushotel um. Auch privat machte der joviale Unternehmer immer wieder Schlagzeilen: In dritter Ehe heiratete er 1981 die 43 Jahre jüngere Französin Chantal Rubert. Im Alter von 81 Jahren starb Max Grundig am 8. Dezember 1989 in Baden-Baden.

Das Ende seines Imperiums erlebte er nicht mehr. Der Philips- Konzern bekam das Geschäft nicht in den Griff und zog sich 1997 nach hohen Verlusten zurück. Auch andere Investoren scheiterten. Am 1. Juli 2003 wurde das Insolvenzverfahren über Grundig eröffnet. Nach zähen Verhandlungen wurden die einzelnen Sparten verkauft. Geblieben ist der Markenname Grundig, der auch heute noch einen guten Klang hat.

DPA/Stephan Maurer / DPA
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