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Elektronik: Mit Grundig stirbt die letzte deutsche Elektronik-Marke

Der Name stand für Wertarbeit «Made in Germany», für Unternehmertum und Wirtschaftswunder: Mit dem Niedergang von Grundig droht die letzte große Marke der deutschen Unterhaltungselektronik zu verschwinden.

Der Name stand für Wertarbeit «Made in Germany», für Unternehmertum und Wirtschaftswunder: Mit dem Niedergang von Grundig droht die letzte große Marke der deutschen Unterhaltungselektronik zu verschwinden. In einem von ausländischen Großkonzernen dominierten Markt haben aus Deutschland nur noch Nischenanbieter eine Überlebenschance.  

Schon viele andere verschwunden

Ein renommierter Hersteller nach dem anderen ist in den vergangenen Jahren vom Markt verschwunden oder wurde aufgekauft - Telefunken etwa, das 1983 zunächst vom französischen Thomsen-Konzern übernommen wurde, ehe 1995 das endgültige Aus kam. Oder Schneider im schwäbischen Türkheim: Nach der Insolvenz griff im vergangenen Jahr ein chinesischer Investor zu und sicherte sich Markenrechte und lukrative Unternehmensteile.

Großkonzerne dominieren den Markt

Heute haben die Großkonzerne Sony, Panasonic und Philips den deutschen Markt weitgehend untereinander aufgeteilt. Nach Angaben der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) geht es um ein Umsatzvolumen von rund 9,3 Milliarden Euro, von denen 2,8 Milliarden Euro auf Fernsehgeräte entfallen.

Nur noch zwei andere deutsche Produzenten

Grundig gab seine Marktanteile bei einem Gesamtumsatz von 1,2 Milliarden Euro zuletzt mit rund zehn Prozent an. Vergleichsweise bescheiden nehmen sich die beiden anderen noch verbliebenen deutschen Hersteller aus: Loewe aus dem oberfränkischen Kronach kam im vergangenen Jahr auf 375 Millionen Euro Umsatz, das Familienunternehmen Metz aus Zirndorf bei Fürth meldete für 2001 einen Umsatz von 121 Millionen Euro.  

Andere haben Marktnischen

Doch Loewe und Metz haben geschafft, woran Grundig scheiterte: Sie fanden und sicherten ihre Marktnischen. Metz ist nach Aussage von Branchenexperten im Fachhandel sehr gut angesehen und profitiert von seiner hohen Handelsbindung. Loewe wiederum gilt als besonders innovativ. Beide Unternehmen bedienen aber nicht den Massenmarkt. Grundigs Schwierigkeiten resultieren letztlich aus einer Teilung des Marktes in ein Hochpreis- und ein Billigsegment - Branchenkenner sprechen vom «Media-Markt-Effekt». Das Mittelsegment, in dem Grundig tätig war, sei weggebrochen.

Siechtum beschädigte die Marke

Das Siechtum der vergangenen Jahre hat die Marke weiter beschädigt. «Der große Nachteil für Grundig ist, dass der Markenname identisch ist mit dem Unternehmen», erklärt Wolfgang Twardawa, Markenexperte beim Marktforschungsinstitut GfK. «Alle Negativmeldungen wirken direkt auf die Marke.» Die Verbraucher zögen Kompetenz und Verlässlichkeit zunehmend in Zweifel. Fachleute vermuten denn auch, dass der Grundig-Umsatz in diesem Jahr kräftig einbrechen wird.

 

Kaum mehr Rettungschancen

Echte Rettungschancen sehen Beobachter für das Traditionsunternehmen nicht mehr. «Was da passiert, lässt einem das Herz bluten», sagt ein Branchenexperte. «Grundig ist deutsches Urgestein.» Firmengründer Max Grundig (1908-1989) zählte zu den drei großen Unternehmerpersönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts in Nürnberg und Fürth. Das Lebenswerk von Gustav Schickedanz (1897- 1977), der Quelle-Versandhandel, wurde an Karstadt verkauft, Theo Schöllers Eisimperium gehört heute zu Nestle. Von Grundig bleibt möglicherweise bald wenig mehr als die Erinnerung.