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Interview mit Boss-Chef Claus-Dietrich Lahrs: "Deutschland ist keine Geiz- und Neidgesellschaft"

Er zieht Männer und Frauen in der ganzen Welt an. Im stern-Interview verrät Boss-Chef Claus-Dietrich Lahrs, wie man damit jede Menge Geld verdient und warum der deutsche Mann keine Modemuffel ist.

Claus-Dietrich Lahrs, Vorstandsvorsitzender des Metzinger Modekonzerns Hugo Boss, sieht Deutschland am Ende der "Geiz ist geil"-Ära. "Dass die Kunden in aller Herrgottsfrüh beim Discounter oder Elektronikmarkt anstehen, um einen Computer kaufen zu dürfen, funktioniert in Deutschland immer weniger", sagte Lahrs im stern-Interview. In zehn Jahren sei dies ganz vorbei. Lahrs: "Wir sind keine Geiz- und Neidgesellschaft".

Lahrs bescheinigte den Deutschen zunehmende Stilsicherheit. Das Vorurteil vom männlichen Modemuffel treffe nicht mehr zu. Lahrs: "Der deutsche Mann muss sich hinter keinem anderen Mann auf der Welt mehr verstecken. Jackett, Hemd, Krawatte, Hose - die Sachen werden gut kombiniert. Die Schuhe passen dazu. Nein, packen Sie das Vorurteil endgültig weg". Und die berufstätigen Frauen würden sehr genau darauf achten, dass sie nicht durch übermodisches Äußeres auffallen. "Kluge Frauen sind im Business modisch sehr kontrolliert", so Lahrs. Bei Meetings etwa sei es ihnen wichtig, dass sie mit ihrem Outfit nicht die anderen Teilnehmer oder Geschäftspartner vom Kern des Gesprächs ablenkten.

Wirtschaftlich sieht Lahrs den Modekonzern weiter auf der Erfolgsspur. "Mit unseren Produkten verdienen wir gut", sagte Lahrs mit Blick auf die gerade veröffentlichten Zahlen für das Geschäftsjahr 2011 - mit einem Gewinn von 469 Millionen Euro vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen war es das beste in der Geschichte des Unternehmens. Am stärksten, so der Boss-Chef, sei das Geschäft in China und Amerika gewachsen. Überdurchschnittlich habe Boss von dem ständig wachsenden Einkommen in der kaufkräftigen Bevölkerungsschicht profitiert. Auch 2012 soll die Expansion weitergehen. Lahrs: "In diesem Jahr sollen weltweit 50 neue Stores dazukommen".