HOME

Krise bei Mode-Label: Hugo Boss ohne Biss

Der Modekonzern Hugo Boss steckt in der Krise, die Luxus-Strategie mit neuen Boutiquen ist gescheitert. 2016 war für Hugo Boss das Jahr des Umbaus. Aber auch 2017 verspricht nicht besser zu werden.

Hugo Boss steckt in der Krise

Hugo Boss versucht sich aus der Krise zu arbeiten

Der Modekonzern Hugo Boss musste das vergangene Geschäftsjahr mit einem Umsatzrückgang beenden. Die Erlöse gingen 2016 laut vorläufigen Zahlen um vier Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zurück, wie Hugo Boss in Metzingen mitteilte. Für das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) rechnet der Konzern nun mit einem Minus am oberen Ende der Spanne von 17 bis 23 Prozent.

Das Minus kommt wenig überraschend. Anfang 2016 musste der Modekonzern eine Gewinnwarnung ausgeben, im Oktober kassierte das Unternehmen aus Metzingen seine Ziele für das Gesamtjahr ein. Hinter den schwachen Zahlen steht ein umfangreicher Strategieumbau. Denn Boss wollte als Marke hoch hinaus: Nicht mehr nur das Premium-Segment sollte es sein, sondern wahrer Luxus. Außerdem sollte das Filialnetz deutlich ausgebaut werden. Der Macher hinter diesen Ideen, Claus-Dietrich Lahrs, nahm nach der Gewinnwarnung seinen Hut bei der traditionsreichen Marke.

Neuer Chef bei Hugo Boss

Richten sollte es dann Mark Langer, der als neuer Chef von Hugo Boss erstmal die Expansionsstrategie stoppte. Unprofitable Filialen ließ er schließen. Ältere Boutiquen sollen modernisiert werden. Dennoch erholte sich das Geschäft nicht so schnell wie gedacht. Doch das liegt auch an einem schwierigen Marktumfeld. "Hugo Boss ist eigentlich ein sehr stabiles Unternehmen, momentan aber in schwierigem Fahrwasser, weil konjunkturelle Probleme, die alle in der Branche haben, auf hausgemachte treffen“, sagte Thomas Jökel, Fondsmanager von Union Investment, dem Handelsblatt. Denn die gesamte Modebranche kämpft mit Problemen.

Modebranche kämpft mit vielen Problemen

Doch den einen Krisenherd gibt es nicht. In China sind nicht so große Margen zu verdienen wie gedacht, das Russland-Geschäft ist durch die Wirtschaftssanktionen im Zuge der Krim-Krise weggebrochen, der Dollar ist zu stark, Online-Shops klauen Kundschaft. Und: Das Wetter spielte nicht mit. Bei milden Wintern und eher frischen Sommern blieben die Regale und Lager voll - und nur mit schmerzhaft hohen Rabatten wurde die Saisonware verkauft.

Die ehemals florierenden Geschäfte sind ins Stocken geraten. Statt durch die Innenstädte zu flanieren, shoppen die Kunden inzwischen gezielt im Netz - und lassen sich dort zu weniger Spontankäufen hinreißen. Unternehmen wie Tom Tailor, Gerry Weber oder Esprit haben ähnliche Baustellen. Die Konsequenz ist: Filialen schließen, Mitarbeiter entlassen, Digital-Strategie entwickeln. 

Zara-Mutter Inditex geht es blendend

Doch nicht allen Textilkonzernen geht es schlecht. Inditex, Mutterkonzern von Zara und Massimo Dutti, kann auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Allein in den ersten neun Monaten 2016 stieg der Umsatz um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 16,4 Milliarden Euro. Die Erlöse stiegen sogar um 14,5 Prozent. Der operative Gewinn (EBIT) kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Inditex setzt auf klare Expansion - und das weltweit in den Städten, aber auch im Netz. In 41 Ländern auf der Welt können Kunden online shoppen, Filialen gibt es nun auch in Neuseeland und Vietnam. 

Der Erfolg der Marke Zara hat einen strategischen Hintergrund. Denn bei Zara kommen neue Modetrends in kürzester Zeit in die Läden. Hier kann Hugo Boss nicht mithalten. Doch Konzern-Chef Langer will das ändern.

Hugo Boss will bis 2018 wieder in die Spur finden

In China habe Hugo Boss bereits die Trendwende geschafft, nun sei der europäische Markt dran. "Wir sind zuversichtlich, damit auf einen nachhaltigen profitablen Wachstumskurs zurückzukehren", so Langer am Montag.

Die Strategie ist klar: Weniger Filialen, weniger Frauenbekleidung. Zurück zur hochwertig, aber preislich angemessenen Bekleidung mit dem Fokus auf Herrenmode. Doch das braucht Zeit. 2017 wird die Kehrtwende in Europa noch nicht zu schaffen sein. In Metzingen hofft man auf das Geschäftsjahr 2018.