Jahreswechsel Glück aus Plüsch, Marzipan und Metall


Jeder zweite Deutsche ist einer repräsentativen Umfrage zufolge abergläubisch. Kein Wunder, dass Glücksbringer zum Jahreswechsel Hochkonjunktur haben.

Das Glück lächelt Rüdiger Paul jeden Tag zehntausendfach an. Sein Geschäft sind Glücksbringer, die traditionell zu Silvester verschenkt werden. "Renner sind die plüschigen Schornsteinfeger", sagt der 28-Jährige, der dem kleinen Familienbetrieb Dorette Paul KG im sächsischen Schmölln-Putzkau vorsteht. Aber auch Marienkäfer, vierblättriger Klee und schwarze Katzen werden aus flauschiger Chenille hergestellt. Seit 1928 ist die kleine Firma auf derartige Festartikel spezialisiert.

Allein 30.000 Schornsteinfeger - von winzigen knapp zehn Zentimeter großen Gesellen bis zu Exemplaren von beeindruckenden 25 Zentimetern - sind geordert worden. "Unsere Kunden sind meist Gärtnereien, Bäckereien und Eisdielen", sagt Paul. "Silvester ohne Glückstopf mit Schornsteinfeger ist für mich undenkbar." Dabei schlägt er mit seinen Miniaturen zahlenmäßig die "echten" Berufskollegen: Bundesweit gibt es schätzungsweise 20.000.

Die kleinen Gesellen entstehen mit viel Fingerfertigkeit

Unter die schwarzen Gesellen, die ordentlich in Pappkartons in Schmölln-Putzkau liegen, haben sich auch einige Schornsteinfeger in rotem Anzug "geschmuggelt". "Ein besonderer Kundenwunsch", erklärt Paul, der eigentlich Traditionalist ist. "Ein Schornsteinfeger trägt einen Zylinder, hält in der einen Hand Fliegenpilz und Kleeblatt und in der anderen eine kleine Pappleiter", sagt der junge Mann. "Das wollen die Kunden so." Aber manchmal denkt er leise darüber nach, ob die Essenkehrer des 21. Jahrhunders nicht mit ihren modernen Berufsinsignien ausgestattet werden sollten. "Aber Laptop, elektronische Messinstrumente und Rechnungsblock machen sich wohl nicht gut in einem Glückstopf."

Die kleinen Gesellen entstehen mit viel Fingerfertigkeit. Beschäftigt werden fünf bis zehn Heimarbeiterinnen, auch die Familie arbeitet mit. "Einige Minuten dauert es schon", meint Paul. Der Chenillefaden - im Unternehmen selbst hergestellt und schwarz eingefärbt - wird um einen Draht geschlungen. Daraus wird dann der Körper mit Armen und Beinen gebogen.

Paul schwört auf den Erfolg der Glückssymbole

Paul ist sicher, dass er jeden in seinem Betrieb gefertigten Schornsteinfeger erkennt. "Meine gucken spitzbübisch oder haben ein freundliches Lächeln", sagt er. Die rosa Zellstoffkugeln werden in dem kleinen Unternehmen mit lachenden Gesichtern bedruckt. "Die sind sehr individuell", sagt er zu den Figürchen, die seit dem Mittelalter als Glückssymbole beliebt sind.

Der kleine Betrieb hat seit Jahren der Konkurrenz aus Fernost Stand gehalten und fertigt auch gelbe Osterküken, Osterhasen und Ostergras - etwa 200.000 bis 300.000 Beutel im Jahr.

Paul schwört aber auf den Erfolg der Glückssymbole, von denen er Tag ein Tag aus umgeben ist. "Ich bin in diesem Jahr Vater meines ersten Sohnes geworden", erzählt Rüdiger Paul und nennt das eine gute Werbung für seine Produkte.

Gudrun Janicke/DPA


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