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Jürgen Harksen: Prozessbeginn gegen den «König der Hochstapler»

Knapp neun Jahre nach seiner Flucht steht der Finanzjongleur Jürgen Harksen von kommendem Freitag an wegen Betruges vor dem Hamburger Landgericht.

Der als «König der Hochstapler» bekannt gewordene 42-Jährige war erst im vergangenen Oktober nach jahrelangem juristischen Tauziehen aus Südafrika ausgeliefert worden. Ihm wird vorgeworfen, zwischen 1990 und 1992 drei Anleger insgesamt 68 Mal um zusammen 35 Millionen Mark (rund 18 Millionen Euro) geprellt zu haben. Allein einer der Geschädigten hatte an Harksen rund 13 Millionen Euro verloren.

Nur noch Anklage wegen 68 Taten

Ursprünglich sollte wegen Betrugs an 262 Anlegern um mehr als 32 Millionen Euro verhandelt werden. In einem Beschluss des Hamburger Landgerichts vom Januar wurde aber wegen eines so genannten «Spezialitätsvorbehalts» ein großer Teil der 218 eröffneten Fälle eingestellt. «Das südafrikanische Justizministerium hatte Harksen nur wegen der 68 Taten ausgeliefert. Dann darf auch nur wegen dieser Taten verhandelt werden», erklärte dazu Gerichtssprecherin Sabine Westphalen.

Renditeversprechen von 1.300 Prozent

Der gebürtige Flensburger Harksen hatte Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre zu den schillerndsten Gestalten auf dem so genannten grauen Kapitalmarkt gehört. Die Anleger, die geblendet waren vom luxuriösen Lebensstil des Finanzjongleurs, fielen auf Renditeversprechen von bis zu 1.300 Prozent herein. Harksens Opfer waren aber keineswegs nur «Zockernaturen». Neben Fußballprofis, Prominenten aus der Musikszene, Ärzten und Apothekern zählten auch führende Wirtschaftsgrößen zu den Geschädigten. Prominentestes Harksen-Opfer ist Pop-Millionär Dieter Bohlen. Er will «Mister Money» - wie Harksen Anfang der 90er Jahre in einschlägigen Kreisen genannt wurde - drei Millionen Mark gegeben und nie wiedergesehen haben.

Auslieferung lange verzögert

Nach seiner Flucht Ende 1993 nach Südafrika hatte sich der Geschäftsmann mit dem Faible für teure Autos und wilde Partys durch Tricks und juristische Winkelzüge jahrelang der deutschen Strafverfolgung entzogen. Die Hamburger Staatsanwaltschaft wertete die Auslieferung des Familienvaters als Erfolg, der «vor allen Dingen auf die konsequente Verfolgung und den langen Atem zurückzuführen» sei. «Wir haben uns auf keine zweischneidigen Angebote und Tricksereien eingelassen», hatte Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger nach dem Empfang Harksens in der Hansestadt erklärt.

Auch Ehefrau kommt

Wenn sich ihr Mann nun ausgerechnet am Hamburger Kapstadtring vor Gericht verantworten muss, kommt auch Harksens Frau Jeanette vom Kap der Guten Hoffnung an die Elbe. Sie ist der Beihilfe zum Betrug angeklagt, kommt aber freiwillig nach Hamburg, da gegen Jeanette Harksen kein Haftbefehl besteht.