HOME

Karstadt: Millionenspritze für die Innenstädte

Kaum ist die Tinte auf den Verkaufsverträgen der 74 kleinen KarstadtQuelle-Warenhäuser trocken, schon haben die neuen Besitzer ein umfangreiches Modernisierungsprogramm vorgelegt. Besonders erfreulich: die Jobs bleiben.

Noch vor wenigen Monaten herrschte Angst um den Erhalt der in den Zentren vor allem kleiner und mittlerer Städte angesiedelten kleinen Warenhäuser. Nun versuchen die deutschen Vertreter der von vielen zunächst mit Argwohn betrachteten britischen Finanzinvestoren in Gesprächen mit Bürgermeistern die Befürchtungen aus dem Weg zu räumen. "Wir setzen auf den Standort Innenstadt", heißt es dazu aus der Gladbecker Unternehmenszentrale.

Vom Start weg schwarze Zahlen

Bis zum Jahr 2007 sollen alle 74 Warenhäuser mit Gesamtkosten von mehr als 20 Millionen Euro auf das neue Konzept umgestellt sein. Vom Start weg schreibt das neue Unternehmen schwarze Zahlen. Auch der alte Name "Karstadt" soll nach einer Übergangszeit von den Fassaden verschwinden. Die noch rund 4800 Beschäftigten sollen dem Unternehmen dagegen ebenso erhalten bleiben wie eine von KarstadtQuelle übernommene Manager-Riege. "Es ist kein Sanierungsfall übergeben worden", ist sich Unternehmenssprecher Ralf Beke-Bramkamp sicher. Ab dem kommenden Jahr plant "Karstadt kompakt" sogar eine weitere Expansion in den Süden Deutschlands.

Während KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff bei den im Konzern verbliebenen 90 Warenhäusern verstärkt auf Weltstadtflair setzt, hat das neue Unternehmen vor allem die Bedürfnisse lokaler Kunden in den Klein- und Mittelstädten sowie in den Randlagen der Großstädte im Visier. Statt nach London, Paris und Schanghai geht der Blick dabei nach Lemgo, Peine und Schleswig.

Kein "billiger Jakob"

"Top-Designer wird es bei uns nicht geben", sagt Beke-Bramkamp. Reißerische Verkaufsaktionen vor der Ladentür im Stil eines "billigen Jakobs" seien allerdings auch nicht geplant. Das am Montag in einem Hattinger Warenhaus vorgestellte Konzept setzt dabei auf Bewährtes im neuen Gewand. Glänzende Bodenbeläge statt schmuddeliger Teppichböden, breite Gänge mit einladenden Sitzecken statt vollgestopfter Verkaufsräume.

Dazu gibt es auf örtliche Vorlieben zugeschnittene Besonderheiten wie etwa ein spezielles Modeangebot für nicht mehr ganz jugendfrische "Best Ager". Mit Blick auf die in der Hattinger Innenstadt fehlende Konkurrenz wurde in der Kleinstadt am Rande des Ruhrgebiets die Multimedia-Abteilung besonders ausgebaut. Auch eine sonst nur in den benachbarten Großstädten zu findende noble Dessous-Marke wurde auf speziellen Kundinnenwunsch neu ins Programm aufgenommen, berichtet Abteilungsleiter Oliver Krüger. Auf das traditionell breite Warenhaussortiment von Kurzwaren über Socken bis zum Parfüm müssen Kunden trotzdem nicht verzichten.

Lokale Ausrichtung stärken

Eine größere Eigenverantwortung der örtlichen Geschäftsleitungen zusammen mit einem strikten Sparkurs bei den Verwaltungsausgaben soll dabei den Schlüssel zum Erfolg liefern. Neben dem Warenangebot können künftig etwa auch die Preise in Einzelfällen den lokalen Gegebenheiten angepasst werden. Der Verzicht auf eine teure Zentrale soll helfen, Kosten zu sparen. Nur rund 50 Beschäftigte steuern das Unternehmen von einer über dem Gladbecker Warenhaus untergebrachten Büroetage aus. Nur vier Prozent des Umsatzes müssen so für den so genannten Zentralbereich ausgegeben werden.

Vorsichtiger Optimismus herrscht auch bei der Gewerkschaft Ver.di. "Bisher haben die sich ausgesprochen korrekt verhalten", beschreibt Gewerkschaftssprecher Folkert Küppers den Auftritt der Investoren. Ein "bisschen skeptisch" sei die Gewerkschaft jedoch immer noch mit Blick in die Zukunft. "In ein oder zwei Jahren wissen wir mehr", so Küppers.

Uta Knapp/DDP / DDP