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Millionenspritze: FC Bayern rettet 1860

Ausgerechnet der Lokalrivale FC Bayern hat 1860 München vor der Insolvenz bewahrt. Mit einer Finanzspritze von elf Millionen Euro retteten die "Roten" die "Blauen" - aber nicht nur aus reiner Nächstenliebe.

Dank einer Millionenspritze seines bisherigen Stadionpartners FC Bayern hat Fußball-Zweitligist TSV 1860 München seine finanzielle Pleite in letzter Minute abwenden können. "Die Insolvenz ist vermieden", sagte der neue "Löwen"-Geschäftsführer Stefan Ziffzer bei einer Pressekonferenz der beiden Münchner Profi-Clubs. Demnach erhält der klamme Zweitliga-Club für seine Anteile an der gemeinsamen Stadion GmbH elf Millionen Euro. Damit sei die Rettung aber noch nicht perfekt, betonte Ziffzer.

Nun auch noch ohne Hauptsponsor

Zugleich musste 1860 München einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Hauptsponsor Festina kündigte seinen Rückzug vom Chaos geschüttelten Zweitligisten an. "Das ist bedauerlich", sagte Ziffzer. "Wir hatten die Insolvenz gerettet und eine halbe Stunde später gab es schon wieder eine neue Baustelle." Nach der vermiedenen Insolvenz müssen die "Löwen" nun aber vor allem sportlich im Soll bleiben und in den letzten drei Liga-Spielen die Rettung vor dem Abstieg perfekt machen.

"Ohne diese Aktion des FC Bayern hätten wir uns verabschiedet", beschrieb Ziffzer die dramatische Lage der "Löwen", die bis Ende Juni von einem Minus von fast sieben Millionen Euro geplagt würden. Mit der Überschreibung der Anteile an der Stadion-Gesellschaft wird der FC Bayern bis zur Rückzahlung alleiniger Besitzer der 340 Millionen Euro teuren Allianz Arena. Die in Raten zu zahlenden elf Millionen sollen die "Löwen", plus einen Zinssatz von 6,5 Prozent, in spätestens vier Jahren zurückzahlen, so die notariell abgesicherte Vereinbarung. Dann soll 1860 auch wieder zum gleichberechtigten Stadionpartner aufsteigen können. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber sprach von einer "guten Lösung" für den Münchner Fußball.

"Zwischen Pest und Cholera"

"Wir hatten die Wahl zwischen Pest und Cholera", beschrieb Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die Entscheidung des FC Bayern. Nicht aus Liebe zu 1860, sondern aus Eigeninteresse habe sich der Verein zur Hilfe für den Lokalrivalen durchgerungen. "Es wäre extrem schwierig geworden, wenn in der Arena nur noch der FC Bayern gespielt hätte." Manager Uli Hoeneß betonte: "Das ist ein Wechsel auf die Zukunft. Aber das ist auch ein ungeheueres Risiko, das der FC Bayern auf sich nimmt."

"Wir sind regelrecht zum Aufstieg verdammt", hatte der inzwischen abgetretene "Löwen"-Präsident Karl Auer vor der Saison die Gratwanderung des Traditionsclubs beschrieben. Mit 15 Millionen Euro hatten die Münchner den höchsten Etat im Fußball-Unterhaus, doch mit der sportlichen Talfahrt ging bei dem seit Monaten von Intrigen, Rücktritten und Rauswürfen erschütterten Club auch die Angst vor dem finanziellen Aus um.

"Schon lange insolvent"

"Wir sind schon lange insolvent", gestand Ziffzer. "Das kam aber aus welchen Gründen auch immer nie zur Sprache." Auch Rummenigge zeigte sich über die finanzielle Schieflage der "Löwen" entsetzt. "Jahrelang ist uns vorgegaukelt worden, dass die Finanzen bei 1860 in Ordnung seien. Ziffzer ist der erste, der hier seit Jahren Licht in den Tunnel gebracht hat." Mit der Millionenzahlung ist aber 1860 noch nicht über den Berg. Für die Erfüllung der Lizenzauflagen der Deutschen Fußball Liga sind weitere Anstrengungen notwendig. "Wir müssen weiter intensiv arbeiten. Aber dafür haben wir jetzt bis 31. Mai Zeit", atmete Ziffzer (kurz) durch.

Michael Fox/DPA / DPA

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