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KIRCH MEDIA: Kommen jetzt Murdoch und Berlusconi?

Eine 'internationale' Lösung scheint in Reichweite, aber die Beteiligten wollen noch keine Stellungnahme abgeben. Die Verhandlungen mit Gläubigerbanken gehen weiter.

Im Kampf um den Kirch-Konzern bahnt sich offenbar eine internationale Lösung an. Wie am Montag aus informierten Kreisen verlautete, wollen der amerikanische Medientycoon Rupert Murdoch und der italienische Medienriese Silvio Berlusconi die KirchMedia übernehmen. Der 75-jährige Leo Kirch ist angeblich inzwischen bereit, sich vollständig zurück zu ziehen. Seine einzige Alternative wäre der Konkurs. Die Banken scheinen grundsätzlich einverstanden zu sein und wollten diese Lösung auch finanziell mittragen, hieß es.

Nichts in trockenen Tüchern

Die Verhandlungen wurden am Montagnachmittag fortgesetzt. Es gibt immer noch offene Fragen, noch ist nichts in trockenen Tüchern, hieß es. Eine Entscheidung kann in Stunden oder auch erst in Wochen fallen.

Murdoch & Berlusconi bereit

Murdoch und der italienische Ministerpräsident Berlusconi sind bereits mit jeweils 2,5 Prozent an der KirchMedia beteiligt. In der KirchMedia hat Kirch sein Hauptgeschäft mit der ProSieben-Gruppe und dem Film- und Sportrechtehandel gebündelt. Wie aus informierten Kreisen verlautete, erwägen Murdoch und Berlusconi jetzt die Übernahme der Mehrheit.

Auch Banken überlegen Einstieg

Im Zuge einer Kapitalerhöhung könnten auch die Banken mit einem kleinen Anteil einsteigen. Leo Kirch, der zusammen mit seinem Sohn 79 Prozent hält, soll sich ganz zurückziehen. Die Einlagen der übrigen Gesellschafter - die Handelsgruppe Rewe, der saudische Prinz El Walid und zwei US-Finanzunternehmen - sollen unverändert bleiben. Das Konzept ist aber »nicht in Stein gemeißelt«, da es auch noch andere Varianten gibt.

Bankenpool gebildet

Die KirchMedia braucht dem Vernehmen nach in diesem Jahr 600 bis 900 Millionen Euro. Die Bayerische Landesbank, HypoVereinsbank, Commerzbank und DZ Bank sollen sich mit den Investoren grundsätzlich darauf geeinigt haben, das Geld gemeinsam bereitzustellen. Wer wie viel gibt, ist aber offen. Möglicherweise stellen die Banken ein Drittel der Summe zur Verfügung und bekommen einen kleinen Anteil an der KirchMedia. Das ist sinnvoller als ein größerer Einstieg, wie er noch in der vergangenen Woche erwogen wurde, weil internationale Medienunternehmen mehr Ahnung vom Geschäft haben.

Keine Stellungnahme

Sprecher von Kirch, Murdoch, Berlusconi und den Banken lehnten jede Stellungnahme ab. Aus informierten Kreisen verlautete, dass die Gespräche gut vorangekommen sind. Die Banken sind offenbar »bereit zu tun, was notwendig ist, um zu einer ordentlichen Lösung zu kommen«. Verhandelt wird auch noch über den Wunsch der KirchMedia-Gesellschafter, dass die Banken auf einen Teil ihrer Kreditforderungen verzichten sollen. Der »Süddeutschen Zeitung« zufolge sind die Banken bisher nur bereit, die Kredite zu strecken und Zinsen zu stunden.

Fristen sind offen

Wann eine Entscheidung zu erwarten ist, weiß aber derzeit niemand. Kirch stehen in nächster Zeit wieder Geldforderungen ins Haus; aber die Aussicht auf den Einstieg internationaler Investoren lassen wieder mehr Kulanz erwarten.