HOME

Kommentar: Boeing und Airbus - Die Kraft des Duopols

Mit dem neuen Langstreckenjet 787 stiehlt der US-Konzern Boeing seinem europäischen Rivalen Airbus die Show. Das Flugzeug stellt die modernste Technologie dar, die es derzeit in der Branche gibt.

In den zurückliegenden Jahren hatte Airbus die Rolle der Primadonna in der zivilen Luftfahrtindustrie besetzt, vor allem mit dem Großraumflugzeug A380. Die Probleme bei dessen Serienfertigung trugen viel zur aktuellen Krise des europäischen Unternehmens bei. Nun ist Boeing wieder am Zug und gibt den technischen Maßstab vor.

Airbus wird in den kommenden Jahren Milliarden Euro investieren, um das Blatt zu wenden. Die umfassende und schwierige Neuorganisation, die Airbus derzeit an seinen europäischen Standorten betreibt, hat Boeing gerade hinter sich. Beim neuen Modell 787 wird Boeing fast zwei Drittel der Produktion an Zulieferer geben. Im Konzern bleiben vor allem das Know-how und die Endmontage. Bei der Entwicklung der 787 funktionierte dieses Konzept. Nun muss es sich in der Serienfertigung bewähren.

Antrieb zu Spitzenleistungen

Airbus wird Boeing bei der Neuentwicklung des 787-Konkurrenten A350 folgen und Zulieferer ebenfalls wesentlich stärker einbinden als bisher. Mit dem Jet, der in fünf Jahren auf den Markt kommen soll, wollen die Europäer die technologische Spitzenposition im Flugzeugbau zurückgewinnen.

Der Fall Boeing und Airbus zeigt, wie ein Duopol zweier Anbieter funktionieren kann. Die beiden Konzerne treiben sich seit Jahren gegenseitig zu technischen Spitzenleistungen - und auch zu neuen Organisationsformen. Den Fluggesellschaften stehen zwei gleichwertige Alternativen zur Verfügung. Im vergangenen Jahrzehnt hat stets einer der beiden Anbieter wirtschaftlich gelitten. Doch der Markt ist intakt geblieben.

Ein Leitartikel der FTD / FTD