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KRIMINALITÄT: Weihnachtstrubel lockt Geldfälscher an

Das Gewimmel auf den Weihnachtsmärkten gilt als gute Möglichkeit gefälschte D-Mark-Scheine loszuwerden. Besonders so kurz vor der Euro-Einführung.

Wenn in den Adventswochen die Weihnachtsmärkte mit Honigduft, Lebkuchen und Glühwein locken, sehen sie nach heiler Welt aus. Doch Weihnachtsmärkte gelten auch als gute Möglichkeit, gefälschte D-Mark-Scheine loszuwerden - vor allem in den letzten Wochen vor der Einführung des Euro. »Trubel, Hektik und das schlechte Licht machen die Märkte zur guten Gelegenheit, Falschgeld unters Volk zu bringen«, sagt der Leiter der Falschgeldstelle bei der Deutschen Bundesbank, Dietmar Thiele.

Euro-Einführung macht Druck

Als »Umschlagplatz und Nabel der Falschgeldkriminalität« dürften Weihnachtsmärkte natürlich nicht angesehen werden, erklärt Dieter Gallus vom Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz. »Doch der Euro steht vor der Tür, und deshalb muss das Falschgeld jetzt schnell noch umgesetzt werden.«

Vorsichtige Verkäufer

Auf dem Weihnachtsmarkt in Mainz sind die Verkäufer von Glühwein und Weihnachtsschmuck deshalb in diesem Jahr besonders vorsichtig. An einigen Verkaufsständen wurden eigens Kontrollgeräte für Geldscheine angeschafft. »Wir rechnen schon mit Falschgeld, weil die Fälscher ihr Geld jetzt noch loswerden müssen«, sagt Constanze Kroczek, die Holzspielzeug verkauft. »Bisher haben wir aber Glück gehabt.«

Dilettantische Fälschung

Von einem gefälschten 20-Mark-Schein muss dagegen Monika Habrajski an einem Stand für Weihnachtsschmuck berichten. Zwar hat ihr Chef die Fälschung bemerkt. »Doch da waren die Täter schon weg.« Mit einem Filzstift hatten die Täter den Silberstreifen auf dem Geldschein nachgezeichnet. Die Fälschung fiel im vorweihnachtlichen Trubel zu spät auf.

Zeitmangel schadet

»Wenn hier Betrieb ist, hat man nicht die Zeit so auf die Scheine zu gucken wie im Kaufhaus«, weiß Oliver Kroczek, der Kunstgegenstände aus Metall anbietet. Helmut Bonk, ein Mineralienhändler aus Idar-Oberstein im Kreis Birkenfeld, hat seine Verkäufer zwar angewiesen, die Wasserzeichen zu überprüfen. »Doch es ist nicht möglich, alle Scheine genau zu untersuchen.«

Wasserzeichen kontrollieren

Der Leiter des Dezernats Organisierte Kriminalität beim LKA in Mainz, Dieter Gallus, rät den Marktbeschickern zumindest zu einer Überprüfung des Wasserzeichens. »Wenn man die Geldscheine gegen das Licht hält, kann man Fälschungen zum Teil in Sekunden erkennen. Das klappt auch im großen Trubel noch.«

Zunahme erwartet

Angesichts der Euro-Einführung wird in diesem Jahr insgesamt mit mehr Falschgeld gerechnet als 2000. Bis Ende Oktober registrierte die Deutsche Bundesbank 23.000 falsche Banknoten. Im vergangenen Jahr tauchten in Deutschland knapp 21.000 gefälschte Scheine auf. »Wir rechnen in diesem Jahr mit 50 Prozent mehr«, sagt Thiele.

Thomas Struk