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Von Anwaltskanzlei verklagt Kunde hinterlässt schlechte Bewertung im Netz – und muss 25.000 Pfund Strafe dafür zahlen

Seit einigen Tagen mehren sich die negativen Bewertungen auf der Trustpilot-Seite der Londoner Anwaltskanzlei
Seit einigen Tagen mehren sich die negativen Bewertungen auf der Trustpilot-Seite der Londoner Anwaltskanzlei
Weil er mit den Diensten einer britischen Anwaltskanzlei nicht zufrieden war, hinterließ ein Mann eine sehr negative Bewertung auf der Plattform Trustpilot. Die Kanzlei zog dagegen vor Gericht und gewann.

Ein Mann in England war sauer, weil er sich von einer Anwaltskanzlei schlecht beraten fühlte und machte diesem Unmut mit einer negativen Bewertung im Netz Luft. Die Kanzlei aber zog dagegen vor Gericht und gewann. Nun muss der Mann wegen Verleumdung rund 25.000 Pfund Strafe an die Firma zahlen. Das geht aus einem entsprechenden Gerichtsentscheid hervor.

Der Mann hatte die Anwaltskanzlei den Gerichtsdokumenten zufolge im Internet gefunden und beauftragt, weil er sich gegen die Durchsetzung einer nicht weiter beschriebenen gerichtlichen Anordnung wehren wollte. Dafür hatte er zugestimmt, einen Festpreis von 200 Pfund plus Mehrwertsteuer zu bezahlen. Im Gegenzug sollte er beraten werden. Das wurde er allerdings ganz offensichtlich nicht zu seiner Zufriedenheit.

Auf der Bewertungsplattform Trustpilot hinterließ er eine gepfefferte Kritik. "Ich habe im Voraus für eine juristische Einschätzung meines Falles bezahlt. Aber was ich zurückbekam, waren nur die Informationen, die ich ihnen geschickt hatte, neu formuliert." Er habe "keinen Ratschlag, wie ich weiter verfahren solle" erhalten und kritisierte die Schlussfolgerungen der Kanzlei als "fehlerhaft". Man könne mehr "aus Youtube und Foren" lernen, "und das umsonst", schrieb der Mann weiter. Die Kanzlei habe jedes Interesse an seinem Fall verloren, "als das Geld überwiesen war". Es sei eine "totale Geldverschwendung" gewesen und er habe es mit "nur einem weiteren betrügerischer Anwalt" zu tun gehabt.

Richter wirft Nutzer Verleumdung vor

Besonders die letzten beiden Bezeichnungen legte ihm ein Richter nun als strafbare Verleumdung aus. Die gesamte Bewertung sei nur geschrieben worden, "um andere Kunden von der Firma fernzuhalten", argumentiert der Richter in seiner Urteilsbegründung. Die Anschuldigungen seien sehr ernst und – wie das Unternehmen dargelegt habe – schwer geschäftsschädigend. Seit der schlechten Bewertung seien die wöchentlichen Anfragen deutlich zurückgegangen, behauptet die Anwaltsfirma. Dem Richter zufolge habe der Kunde zudem nie "voll ausformuliert", warum er so unglücklich mit den Beratungen der Firma gewesen sei. Darum sei es angemessen, wenn er für den durch ihn verursachten Schaden die von der Kanzlei geforderten 25.000 Pfund plus Gerichtskosten zahlen müsse, argumentiert der Richter.

Von Anwaltskanzlei verklagt: Kunde hinterlässt schlechte Bewertung im Netz – und muss 25.000 Pfund Strafe dafür zahlen

Der Mann hatte sich lediglich schriftlich gegen die Vorwürfe verteidigt und war zur digitalen Anhörung im Juli nicht erschienen. Er berief sich unter anderem darauf, dass es sich um seine "ehrliche Meinung" gehandelt habe und es "im öffentlichen Interesse" sei, andere Menschen darüber zu informieren. Beides wies der Richter mit Verweis auf die Schwere der Anschuldigungen ab. Auch legte er es dem Mann negativ aus, dass dieser der Kanzlei zwischenzeitlich angeboten hatte, die Bewertung zu löschen, wenn man ihm sein Geld erstatten würde. Dieses Vorgehen widerspreche seiner Argumentation vom "öffentlichen Interesse".

Trustpilot sperrt Profil der Kanzlei

In dem Gerichtsentscheid steht, dass sich der Mann aktuell in Schweden aufhält. Es ist daher unklar, wie und wann er die geforderte Summe an die Anwaltskanzlei zahlen wird müssen.

Trustpilot selbst reagierte im Netz auf den Fall. Über dem Profil der Anwaltskanzlei prangt nun ein Warnhinweis. Trustpilot verurteile "den Versuch, die Meinungsfreiheit von Kunden mit juristischen Mitteln einschränken zu wollen" scharf. Dies sei der erste Fall dieser Art auf Trustpilot. Durch die Medienberichterstattung hätte es in den vergangenen Tagen überdurchschnittlich viele neue, zumeist negative Bewertungen für die Kanzlei gegeben. Daher habe man das Profil vorerst geschlossen.

Quellen:  Gerichtsentscheid / Trustpilot / BBC / Laywer Monthly

fin

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