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Discounterkampf Lidl jagt Aldi – und kopiert jetzt sogar die Teilung in Nord und Süd

Lidl-Werbung "Zeit für Liebe" kommt mit Seitenhieben gegen Aldi und Netto daher.
Sehen Sie im Video: Lidl-Werbung mit Seitenhieben gegen Aldi und Netto.






Anlässlich des Valentinstages veröffentlicht Discounter Lidl ein Werbevideo, das für Aufsehen sorgt.


Der rund zweiminütige Clip "Zeit für Liebe" erzählt die Geschichte eines jungen Paares.


Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen dabei zwei Szenen, die als Seitenhiebe gegen die Konkurrenten Aldi und Netto verstanden werden können.


Die Protagonistin zieht ihren Freund zu Lidl, als er in Richtung Aldi unterwegs ist – und übergibt sich im weiteren Verlauf des Clips in eine Netto-Einkaufstüte.


Auf Youtube kommentieren zahlreiche Nutzer amüsiert die Stichelleien.


"Beim Kotzen in die Nettotüte musste ich wirklich laut loslachen."


"Me: Och, noch so ne blöde Werbung.
Mädel: kotzt in die Netto Tüte
Me: ... OK, nevermind. Ein Meisterwerk. Hut ab."


"Die Werbung ist echt witzig. Die Seitenhiebe auf Netto und Aldi."


"Schön in NETTO Beutel gekotzt, schöner Seitenhieb."


Auch wenn der Werbespot unter dem Motto "Liebe" steht, gilt bei Lidl offenbar: Ein kleiner Seitenhieb unter Konkurrenten kann auch am Valentinstag nicht schaden.
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Die Pandemie beschert dem Lebensmittelhandel gute Geschäfte. Doch Lidl profitiert offenbar deutlich stärker als Erzrivale Aldi – und könnte sich bald zum Marktführer aufschwingen.

Auf den ersten Blick läuft es für Aldi alles andere als schlecht. Der Lebensmitteleinzelhandel zählt zu den großen Gewinnern der Pandemie. Supermärkte und Discounter sind ohne größere Einschränkungen durchgehend geöffnet und konnten ihre Umsätze im vergangenen Jahr kräftig steigern. Nach Berechnungen der "Lebensmittelzeitung" (LZ) hat Aldi im Jahr 2020 seinen Umsatz um satte 1,1 Milliarden Euro auf 27,4 Milliarden Euro gesteigert. Klingt eigentlich nach einer guten Nachricht für den Discount-Marktführer.

Die schlechte lautet: Die Konkurrenz hat im Pandemiejahr noch deutlich mehr profitiert. Insbesondere Erzrivale Lidl nutzte die Gunst der Stunde, um die Geschäfte voranzubringen. Der Lidl-Umsatz legte laut LZ etwa doppelt so stark zu wie der von Aldi – um mindestens 2 Milliarden Euro. Der Rückstand auf Aldi beträgt für Lidl damit nur noch 2,5 Milliarden Euro. Setzt sich der Trend fort, könnte Lidl in absehbarer Zeit Aldi vom Discounterthron stürzen und sich selbst zum Marktführer aufschwingen. 

Aldi kämpft um die Krone

Dabei müht sich Platzhirsch Aldi seit Jahren verzweifelt, mit der Dynamik des Angreifers Schritt zu halten. Die Filialen wurden modernisiert und das Sortiment um Markenprodukte erweitert. Um Kräfte zu bündeln, arbeiten auch der Nord- und der Süd-Teil des seit Jahrzehnten geteilten Universums in jüngster Zeit enger zusammen. Sogar gemeinsame TV-Werbung schaltet das Bruder-Imperium mittlerweile – bis vor fünf Jahren hatten es die Aldis überhaupt nicht für nötig erachtet, im TV zu werben.

Doch all diese Dinge tut Lidl auch. Bei der Verwandlung der Filialen in helle freundliche Räume war man früher dran und das Geschäft mit bekannten Marken neben den Discountprodukten läuft auch erfolgreicher. Zu oft musste Aldi in jüngster Zeit erleben, dass Markenware, die als Aktion zum "Aldi-Preis" verkauft wurde, von der Konkurrenz günstiger angeboten wurde, um das Aldi-Image als Preisführer anzugreifen, wie die Lebensmittelzeitung analysiert. Um dagegen anzugehen, wolle Aldi in Zukunft noch härter mit den Herstellern der Produkte um die Einkaufskonditionen verhandeln. 

Lidl stellt sich regionaler auf

Der nächste strategische Schritt von Lidl wiederum läuft interessanterweise genau entgegengesetzt zu den jüngsten Zentralisierungsbemühungen im Aldi-Imperium. Lidl teilt sein Geschäft gerade in Nord und Süd auf, um regional schlagkräftiger zu werden. Für den Kunden wird dies nicht sichtbar sein, weil weiterhin überall das gleiche Logo über den Filialen hängt. Auch am zentralen Einkauf ändert sich ebenso wenig wie an den Besitzverhältnissen. Aber in der Logistik und bei der Eröffnung neuer Läden sollen Nord- und Süd-Regionalgesellschaften künftig selbständiger agieren, um regionale Potenziale besser zu heben. Vorbild für die neue Ausrichtung ist ausgerechnet der schwächelnde Rivale Aldi.

Betrachtet man das gesamte Imperium der Schwarz-Gruppe, zu der neben Lidl auch noch Kaufland gehört, so liegt Dieter Schwarz sowieso schon vor den Aldis. Laut Daten des Marktforschers Kantar ist die Schwarz-Gruppe gemessen am Umsatz hinter Walmart, Amazon und Costco der viertgrößte Einzelhändler der Welt.

Quellen: Lebensmittelzeitung / Wirtschaftswoche / Statista


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