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Kommentar

Werbeoffensive des Discounters: Aldis dämlicher TV-Spot

Erstmals in der Firmengeschichte bringt Aldi einen Werbespot ins Fernsehen. Man wünschte sich, sie hätten es gelassen. Die Botschaft ist hohl und wird zu allem Überfluss auch noch von Kindern vorgetragen, die so einen Quatsch niemals sagen würden.

Aldi TV-Spot

Aldi Nord und Aldi Süd schalten gemeinsam TV-Werbung

Der Kult um Aldi lebte immer davon, dass Aldi so schön einfach war. Die Aldis waren die ersten, die ihre Produkte direkt aus den Paletten verkauften. Ohne großen Schnickschnack drumherum, dafür unfassbar günstig. Über die beliebten Eigenmarken, die in Wahrheit aus der gleichen Fabrik kommen wie die Markenprodukte, gibt es ganze Bücher.

Doch Aldi hat seinen Nimbus verloren. Konkurrent Lidl kopiert das Aldi-Konzept seit den 70er Jahren und ist mittlerweile annähernd genauso groß wie der Platzhirsch. Zudem steht Aldi im scharfen Wettbewerb mit Supermärkten wie Rewe und Edeka. Um auch deren Klientel anzusprechen, entfernt sich der Discounter immer mehr vom Billigimage, hübscht seine Läden auf, listet mehr Markenartikel und macht sogar in Designer-Mode.

Aldi Nord und Aldi Süd schalten gemeinsam Werbung

Nun wird Aldi endgültig vom Mythos zur ganz normalen Marketingmaschine. Erstmals in der Firmengeschichte hat es der Discounter nötig, die Verkäufe durch Fernsehwerbung anzukurbeln. Für diesen Tabubruch raufen sich das Nord- und das Süd-Imperium sogar zu einer gemeinsamen Kampagne zusammen. Die großangelegte Werbeoffensive mit dem Slogan "Einfach ist mehr" umfasst neben TV-Werbung Plakate, Zeitungsanzeigen, Radiowerbung und Kinospots.

Fakten über den Discounter-Riesen: So tickt der Aldi-Konzern


Den Slogan konterkariert Aldi allerdings mit dem Inhalt der Werbung: Im Fokus der Kampagne stehen nicht etwa einfache, konkrete Produkte mit günstigen Preisen, wie es zur Aldi-DNA gepasst hätte. Stattdessen gibt es das allgemeine Marketing-Blabla einer handelsüblichen Imagekampagne, um die Marke Aldi mit einer größeren Bedeutung aufzuladen, die offenbar irgendwo in den vergangenen Jahren verloren gegangen ist.

Wo ist eigentlich Aldi im Aldi-Spot?

So ist in dem 47-sekündigen TV-Spot tatsächlich kein einziges Aldi-Produkt und kein einziger Aldi-Markt zu sehen. Vorgeführt werden stattdessen Kinder, die in Pfützen spielen, durch die Wohnung toben oder in Badeseen springen. Dazu verliest eine Kinderstimme aus dem Off pseudophilosophische Botschaften, die kein normales Kind jemals so sagen würde. Es sei denn, beide Eltern arbeiten in einer Werbeagentur wie Ogilvy Düsseldorf oder Oliver Voss, die haben sich das nämlich ausgedacht. 

Hier das Phrasenfeuerwerk des 47-Sekünders in voller textlicher Länge:

Die Erwachsenen wollen immer die Bestimmer sein, weil die sich für ziemlich klug halten. Aber wenn man dann fragt: Warum müssen wir uns beeilen? Warum hast du keine Zeit zum Spielen? Dann antwortet ihr nur: Darum. Es heißt immer, Kinder brauchen nicht viel, um glücklich zu sein. Wir schreiben keine Emails. Wir sprechen einfach so, wenn wir uns sehen. Wir brauchen keinen Supermarkt, der so groß ist, dass ihr euch nicht entscheiden könnt. Warum glaubt ihr, dass ihr mehr braucht? Wählt doch einfach das Richtige und befreit euch vom Rest. Warum? Darum. Aldi - Einfach ist mehr.

Spitze gegen die Vollsortimenter

Die einzige konkrete Aussage in diesem Satz-Salat lautet: Andere Läden haben zwar viel mehr Auswahl als wir, aber das überfordert euch doch nur, also greift lieber zu unserem Schmalspursortiment. Als ob sich je ein Kind darüber beschwert hätte, dass es in Rewe-Märkten zu viele Süßigkeiten gibt. Und selbst aus unübersichtlichen Edeka-Filialen haben bisher alle Kunden vor Ladenschluss wieder herausgefunden. 

Aldi Nord Plakat

Im Gegensatz zum TV-Spot hat dieses Aldi-Plakat zur "Einfach ist mehr"-Kampagne wenigstens Witz

Laut dem Werbebranchendienst Horizont war übrigens zunächst geplant unter dem Motto "Einfach ist mehr" die Arbeitsweise von Aldi und die rationalen Produktvorteile zu betonen. Doch dann entschied man sich doch lieber für inhaltsleeres Gequatsche. Die Kampagne soll nun "ein latentes Gefühl der Überforderung in der Gesellschaft adressieren und diese emotionale Botschaft eng mit der Markenphilosophie von Aldi verbinden", schreibt Horizont. Wer sich diesen Quatsch nicht auch noch aus armen Kindermündern anhören will, kann sich die Markenbotschaft auch vorrappen lassen. Der Berliner Rapper Fargo hat eigens für die Aldi-Kampagne den Song "Einfach sein" geschrieben. 

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