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Liechtenstein-Prozess: Haftstrafe für Rostocker Bank-Erpresser

Der Hauptangeklagte hatte mit zwei Komplizen die Liechtensteinische Landesbank erpresst und neun Millionen Euro kassiert. Sein Druckmittel: Kontobelege mutmaßlicher deutscher Steuersünder. Jetzt hat das Rostocker Landgericht Michael F. zu fünf Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Im Prozess um die Erpressung der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) hat das Rostocker Landgericht den Hauptangeklagten Michael F. am Freitag zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er zusammen mit zwei mitangeklagten Männern die Bank mit etwa 2300 Kontobelegen mutmaßlicher deutscher Steuersünder erpresst hat. Von den geforderten 13 Millionen Euro waren neun Millionen ausgezahlt worden. Von dem Geld fehlt bis auf wenige Scheine jede Spur.

Gegen die beiden anderen Angeklagten verhängte das Gericht Bewährungsstrafen wegen Beihilfe. In allen drei Fällen blieben die Richter damit unter den Forderungen der Anklagevertreter. Die Staatsanwaltschaft hatte für den mehrfach vorbestraften Hauptangeklagten sechs Jahre und acht Monate Haft sowie anschließende Sicherungsverwahrung gefordert. Die beiden mutmaßlichen Mittäter sollten zu jeweils drei Jahren und neun Monaten verurteilt werden. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Sie sieht als strafmildernd an, dass dem Gericht die Kontoauszüge übergeben wurden. In der Folge leitete die Staatsanwaltschaft bundesweit fast 1000 Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Steuerhinterziehung ein.

Der Fall steht nicht im Zusammenhang mit dem durch die Durchsuchung bei Ex-Postchef Klaus Zumwinkel bekanntgewordenen Ankauf gestohlener Daten der Liechtensteiner LGT-Bank. Trotzdem hatte die Verteidigung im Verlaufe des Rostocker Prozesses Parallelen gezogen. Der Prozess gegen Zumwinkel wegen Steuerhinterziehung hatte am Donnerstag mit einem umfassenden Geständnis begonnen.

DPA/AP / AP / DPA