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Lieferengpässe: Weihnachten ohne Lego

Mancher Kinderwunsch zum Fest wird dieses Jahr unerfüllt bleiben: Lego kann nicht liefern. Der Spielzeughersteller hat im Zuge der Sanierung Kapazitäten abgebaut – und wird nun von der Nachfrage überrannt.

Von Clemens Bomsdorf

Wenn Weihnachten vor der Tür steht, freuen sich zwei üblicherweise ganz besonders: Kinder und Spielzeughersteller. Die einen bekommen dann nämlich, was den anderen - gegen gutes Geld selbstverständlich - abgenommen wird.

Dieses Jahr könnte die Freude etwas gedämpfter ausfallen, zumindest bei all jenen, die daran gedacht haben, Lego auf den Wunschzettel zu schreiben. Der dänische Spielzeughersteller hat nämlich Lieferschwierigkeiten. Neben den Kindern ärgert sich das Unternehmen selber darüber am meisten. "Als Verkaufsverantwortlicher würde ich gerne mehr absetzen, aber wir haben nicht mit einer so starken Nachfrage gerechnet und sind völlig ausgelastet", sagt Mads Nipper, für Märkte und Produkte verantwortliches Vorstandsmitglied des Lego-Konzerns. Nachdem der dänische Spielzeughersteller sich mit einer Schlankheitskur nur knapp vor der Pleite retten konnte, wird er jetzt vom eigenen Erfolg überrannt.

Expansionsstrategie gescheitert

Nipper erwartet, dass das Weihnachtsgeschäft dem dritten Quartal nur ein Umsatzplus von fünf Prozent beschert. Könnte die komplette Nachfrage befriedigt werden, würde der Absatz in den letzten drei Monaten des Jahres doppelt so stark steigen. "Das ist aber auch eine gute Nachricht, denn die hohe Nachfrage bedeutet, dass unsere Strategie, mit der wir Lego retten wollen, schneller als gedacht aufgegangen ist", so Nipper.

In den 1990er Jahren hatte das Management entschieden, den starken Markennamen zu nutzen und auch Videospiele, Filme, Fahrräder und alle möglichen anderen Produkte unter dem weltbekannten Namen Lego zu verkaufen.

Das Ergebnis war ein historisches. Erstmals in der Firmengeschichte erwirtschaftete Lego 1998 einen Verlust. Später folgte ein noch größerer Schock: Verluste dominierten die Jahresberichte auch nach der Jahrtausendwende. Im Jahr 2003 waren es 190 Millionen Euro. Erst da war allen klar, dass die Strategie der letzten Jahre vielleicht nicht die richtige gewesen war.

Zurück zum Legostein

Damals erinnerte man sich an die Ursprünge der Firma: den guten alten Legostein. Fortan sollten die klassischen Produkte wieder im Mittelpunkt stehen. Das Unternehmen verschlankte die Produktlinie, verkaufte die Mehrheit an den Legoland-Parks und verlagerte Teile der Herstellung aus dem teuren Dänemark ins billige Osteuropa. "Früher hatten wir eine viel zu hohe Kapazitäten, da war es natürlich kein Problem, mal eben die Produktion hochzufahren. Aber es war zu teuer, diese Kapazität immer vorzuhalten", sagt Nipper. Besonders nachdem Lego mehrere Jahre in finanziellen Schwierigkeiten gesteckt habe, wolle der Konzern jetzt kein Risiko eingehen, so der Manager.

Derzeit seien vor allem die klassischen Produkte besonders gefragt. "Es mag passieren, das die Verkäufer in manchen Läden sagen müssen: Tut uns leid, aber die Kartons mit der Lego-Polizei sind leider alle ausverkauft", ergänzt Nipper. Auch die Produkte der Star Wars-Serie könnten schon bald zur Neige gehen.

Die klassischen Mechanismen der Marktwirtschaft will Lego nun nicht nutzen, um der Nachfrage wieder Herr zu werden. "Es wird keine Preiserhöhungen geben", verspricht Nipper. Damit müssen wenigstens die Eltern, die auf der suche nach Legosteinen noch fündig werden, das weihnachtliche Spielzeugshopping nicht fürchten.

FTD
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