Mathias Döpfner Vom Musikkritiker zum mächtigen Verlagsmanager


Der Aufstieg von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner zu einem der mächtigsten Verlagsmanager in Deutschland ist auch für die schnellen Verhältnisse der Medienbranche atemlos verlaufen.

Anderthalb Jahre nachdem Matthias Döpfner (43) im Jahr 1998 Chefredakteur der Zeitung "Die Welt" wurde, rückte Döpfner in den Konzernvorstand auf. Im Januar 2002, noch keine 40 Jahre alt, erreichte er die Vorstandsspitze. Der Sohn eines Architekturprofessors galt lange als Geistesmensch - was seiner Karriere eher genutzt als geschadet haben dürfte. Der studierte Musikwissenschaftler hat es immer wieder geschafft, die Öffentlichkeit zu überraschen und die Initiative zu behalten. Auch bei der nun gescheiterten Übernahme von ProSiebenSat.1 hatte Döpfner auf den Überraschungseffekt gesetzt. In einem "Zeit"-Interview beschrieb er sich als "halb Teppichhändler, halb Schöngeist". Das Scheitern bei der Übernahme des TV-Konzerns am Widerstand der Behörden wolle er "sportlich nehmen", verkündete der knapp zwei Meter große Döpfner am Mittwoch.

Musikkritiker bei der FAZ

Erste Schritte im Journalismus unternahm Döpfner als Schüler, danach als freier Mitarbeiter der "Offenbach Post". 1982 wird er Musikkritiker der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), später arbeitet er für das gesamte Feuilleton. Nach einem Abstecher in die PR-Branche kehrt er 1990 als Benelux-Korrespondent zur "FAZ" zurück.

1992 wechselt Döpfner zum Zeitschriften-Konzern Gruner+Jahr und wird Assistent des Vorstandsvorsitzenden Gerd Schulte-Hillen. Der betraut ihn 1994 mit der Leitung der aus den Wendejahren geretteten einstigen Ost-Berliner "Wochenpost". Unter Döpfner wird die Auflagenflaute überwunden, das Blatt kurz danach verkauft. 1996 übernimmt Döpfner die Chefredaktion der "Hamburger Morgenpost", die G+J kurz danach ebenfalls veräußert.

Die Welt war nicht genug

Ende April 1998 wechselt Döpfner zur "Welt". Er baut das Blatt um, verschafft der Zeitung ein liberal-konservatives Profil. Ende 1999 wird Döpfner in den Springer-Vorstand berufen, wo er das Ressort Elektronische Medien/Multimedia und auch den Bereich Zeitungen übernimmt. Er genießt die volle Unterstützung von Hauptaktionärin Friede Springer - vor allem bei der Entscheidung, vom Medienunternehmer Leo Kirch knapp 770 Millionen Euro zu verlangen. Die sollte Kirch für Springers Anteile an ProSiebenSat.1 bezahlen, die der Verlag damals noch verkaufen wollte. Die fällige Option, die Kirch nicht bezahlen kann, beschleunigt die Krise seines Medienimperiums.

Doch Döpfner muss auch Rückschläge verkraften. Im Bieterverfahren um die britische Tageszeitung "Daily Telegraph" scheidet Springer 2004 aus. Das Haus ist nicht bereit, bei den Preisforderungen mitzuhalten und zieht sich zurück. Doch unter Döpfners Führung behauptet sich Springer in schwierigen Zeiten im deutschsprachigen Kerngeschäft mit "Bild" und "Hörzu". Döpfner beschleunigt die Digitalisierung der Printmedien und die Internationalisierung des Verlags. Auch baut die Verlagsspitze Arbeitsplätze ab, verkauft oder stellt mehr als 40 Aktivitäten ein und kommt damit 2002 wieder in die Gewinnzone.

DPA


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