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Mauttunnel: Deutsche Pleite in Australien

Der Autofahrer, das renitente Wesen: Nach Finanzproblemen beim Eurotunnel zwischen England und Frankreich floppt nun ein ähnliches Projekt in Sydney. Dort ging die Betreibergesellschaft eines Maut-Tunnels pleite - mit deutscher Beteiligung.

Ein von den australischen Autofahrern geschmähter Mauttunnel in Sydney, an dem auch der Mannheimer Baukonzern Bilfinger Berger beteiligt ist, hat Insolvenz angemeldet. Ein Konsortium von 16 australischen und ausländischen Banken - darunter die Deutsche Bank - habe den Insolvenz-Spezialisten Korda Mentha mit der Verwaltung des Tunnelbetreibers Cross City beauftragt. Der Betreiber ist bei den Banken mit 560 Millionen australischen Dollar (rund 334 Millionen Euro) verschuldet.

An der Tunnelgesellschaft hält Bilfinger Berger 20 Prozent, allerdings hat der zweitgrößte deutsche Baukonzern bereits im Sommer seine Beteiligung an dem einstigen Prestigeprojekt voll abgeschrieben - zusammen mit einem Mauttunnel in Lübeck insgesamt 53 Millionen Euro. Größter Aktionär ist Cheung Kong Infrastructure Holdings aus Hongkong mit 50 Prozent, die ihren Anteil bereits im April teilweise abgeschrieben hat. Einen kleineren Anteil an dem Tunnel unter der Innenstadt von Sydney hält auch die in Sydney börsennotierte Immobilientochter der Deutschen Bank, DB RREEF Trust. Nach 29 Jahren fällt er an den Staat zurück.

Nur ein Drittel der erhofften Benutzer

Der 2,1 Kilometer lange Tunnel war im August 2005 eröffnet worden. Die Betreiber hatten für Ende 2006 mit 90.000 zahlenden Autofahrern am Tag kalkuliert, tatsächlich nutzen aber nur etwa ein Drittel davon die kreuzungsfreie, aber 3,50 australische Dollar Maut teure Ausweichstrecke. Korda Mentha-Manager Martin Madden äußerte sich am Mittwoch zuversichtlich für die Zukunft des Tunnels: "Wir glauben, dass er mit einigen Änderungen erfolgreich sein kann und wird."

Reuters / Reuters