Die mutmaßliche Entführung eines 85 Jahre alten Großvaters in Sydney hält Australien seit Tagen in Atem und sorgt landesweit für Bestürzung. Nach Ansicht der Polizei wurde der Mann offenbar Opfer einer tragischen Verwechslung. Seine Familie spricht von einem „Albtraum“ und bangt um seine Gesundheit.
Chris Baghsarian war am frühen Freitagmorgen (Ortszeit) aus seinem Haus im Vorort North Ryde im Nordwesten Sydneys verschleppt worden. Nach Angaben der Polizei drangen mindestens zwei maskierte Täter in das Wohnhaus ein, ein weiterer Komplize soll ein Fluchtfahrzeug gesteuert haben. Das Auto wurde später in einem benachbarten Vorort ausgebrannt aufgefunden.
Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass Baghsarian nicht das eigentliche Ziel der Täter war. Die Polizei sei sich diesbezüglich „hundertprozentig sicher“, sagte ein Sprecher. Konkrete Hinweise darauf, wer stattdessen entführt werden sollte, nannten die Behörden nicht. Australische Medien berichteten jedoch, dass die Kidnapper offenbar annahmen, ein Mitglied eines prominenten kriminellen Clans entführt zu haben.
Entführung in Australien: Sorge um Gesundheitszustand
Zugleich gibt es große Sorge um den Gesundheitszustand der Geisel. Die Ermittler untersuchen ein aufgetauchtes Video, das den 85-Jährigen mit gefesselten Händen und verhülltem Gesicht zeigt. Zudem sei er auf tägliche Medikamente angewiesen, teilte die Familie mit.
Die Angehörigen erklärten, sie könnten kaum begreifen, dass die Familie in ein Geschehen hineingezogen worden sei, das nichts mit ihr zu tun habe. Baghsarian sei ein hingebungsvoller Vater, Bruder, Onkel und Großvater, ein sanfter und gutherziger Mensch.
Nach Angaben der Polizei ist bislang keine Lösegeldforderung eingegangen. Zudem gebe es keinerlei Hinweise auf Verbindungen der Familie zu kriminellen Aktivitäten. „Das ist kein gewöhnliches Verbrechen“, sagte Polizeisprecher Andrew Marks. „Die Täter wollten jemanden entführen, aber sie haben die falsche Person erwischt.“