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Messen: Wenn Schnäppchenträume wahr werden

Was gäben Schnäppchenjäger nicht für ein paar Stunden auf dieser Messe: Steppdecken zum halben Preis oder Klobürsten und andere Haushaltswaren bis zu einem Euro. Doch die erste Messe dieser Art gibt es erstmal nur für Fachpublikum.

Ein 4er Set Terracotta-Übertöpfe für 9,98 Euro, Steppdecken zum halben Preis, Klobürsten und andere Haushaltswaren von 55 Cent bis zu einem Euro: Produkte aus allen Sortimentsbereichen, so weit das Auge reicht. Aber die erste internationale Messe für "Aktionsgüter" in Deutschland hält nur für das Fachpublikum ihre Tore geöffnet. Das Geschäft der Einzelhändler mit Trend- und Aktionswaren boomt: Die Anbieter von Saisonartikeln verzeichnen zweistellige Wachstumsraten. Immer mehr Baumärkte, Discounter und Möbelhäuser setzen deswegen auf Produkte außerhalb ihres eigentlichen Sortiments. Der Verbraucher hat sich längst an den Anblick gewöhnt: Im Supermarkt, zwischen Obst- und Kühlregal, werden Artikel angeboten, die es früher nur im Fachhandel gab. Dessous und Fahrräder, Schweineohren für Hunde neben Blumenzwiebeln für Gärtner - in den Läden finden sich zuweilen recht gewöhnungsbedürftige Paarungen.

Neue Produkte für Discounter und Heimwerkermärkte

"Dieses Konzept geht aber richtig gut auf", sagt Verkaufsleiter Frank Becker von der Heissenbüttel & Peitzmeyer GmbH. Das Unternehmen aus Oldenburg importiert vor allem Gartenzubehör und Haushaltswaren und vertreibt die Artikel deutschlandweit. Auf dem Messegelände in Hannover ist der Betrieb mit einer völlig neuen Strategie am Start - dem Garden-Joker-Konzept. "Hiermit versuchen wir, dem Kunden eine möglichst große Bandbreite an Gartenzubehör zu bieten - Nischenprodukte für Discounter und Heimwerkermärkte", erläutert Becker. "Ich hoffe, auf der Messe unsere Marke an viele Interessenten zu bringen."

Die Beschaffung der Waren werde zu einem "wichtigen Faktor des Geschäftserfolgs", weiß Veranstalter Ulrich Zimmermann von der Nordwestdeutschen Messegesellschaft, Bremen-Hannover. Zudem liege es voll im Trend, dass Lebensmittelläden auch Schuhe oder Computer verkauften, wenn die Qualität stimme. Aktionswaren seien dabei Artikel, die nur kurzzeitig im Sortiment sind und besonders preiswert angeboten würden. Ramschprodukte seien auf der Messe nicht zu finden.

Konzepte zum Verkauf gleich mitgeliefert

Unter den rund 180 Ausstellern hat sich auch die Helmut Feldtmann AG gemischt, ein Betrieb mit mehr als 100 Beschäftigten und seit über 60 Jahren Fachhändler für Arbeitsschutz und Berufsbekleidung. "Wir suchen hier gezielt nach den Vertretern von Lidl und Aldi, die unsere Produkte kaufen sollen", sagt Verkaufsleiter Thomas Kapr. Das Unternehmen aus Buchholz (Kreis Harburg) liefert das Konzept zum erfolgreichen Verkauf der Ware gleich mit. "Wir bieten alles, von der Verpackung bis zum besenreinen Verlassen der Aktionsfläche."

Volker Murst, Inhaber eines Sonderpostenmarktes, ist extra aus Lauchringen angereist, an der Grenze zum Nachbarland Schweiz. PicksRaus heißt sein Laden, und dass sei angesichts "tausender Artikel" auch das Motto des Geschäftes. "Wir haben alles, verkaufen alles, kaufen alles. Unsere Kunden erleben den Markt wie eine große Wundertüte", sagt Murst. "Man weiß nie, was drin ist, und dass macht den Reiz aus." Der Unternehmer suche auf der Aktionswarenmesse vor allem nach neuen Lieferanten und Werbekonzepten.

Alle Sortimentsbereiche besetzt

Den Fachbesuchern sollen "Produktideen mit maßgeschneiderter Präsentationsmöglichkeit auf Einzelhandelsflächen" geboten werden, erläutert Messeveranstalter Zimmermann. "Alle Sortimentsbereiche sind hochwertig besetzt, und wenn am Ende im Laden Preis und Qualität stimmen, gibt es beim Kunden kein Halten mehr."

Auf den rund 17.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche tummeln sich auch Händler aus dem Ausland. Harry Vos aus Holland hält seine Augen nach trendigen Schnäppchenartikeln für den Supermarkt ter Huurne und den Kaffeegroßhandel Eurokoffie auf. "Mit den so genannten Restposten lässt sich richtig viel Geld verdienen. Aber die Ware muss hochwertig sein und günstig", weiß der Vertriebsleiter. "Weg ist weg - das Konzept mit den Aktionswaren funktioniert bei uns bestens, und die Kunden sind jedes Mal wieder scharf darauf zu erfahren, was wir Neues bieten können." Eine zweite Messe im Herbst sei genau der richtige Impuls.

Angelika Röpcke/DPA / DPA
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