HOME

Mitbestimmung: SAP wählt erstmals Betriebsrat

Es ist das einzige börsennotierte Großunternehmen, das bislang über keinen Betriebsrat verfügt: Nach jahrelangem Gezerre wird heute bei SAP eine Arbeitnehmervertretung gewählt.

Beim Software-Riesen SAP haben am Morgen zum ersten Mal in der Firmengeschichte Betriebsratswahlen begonnen. Ein Unternehmenssprecher sagte in Walldorf bei Heidelberg, es gebe 415 Kandidaten auf zehn Listen. Aufgerufen zur Wahl seien rund 11.000 Mitarbeiter an den deutschen Standorten des Unternehmens. Das Ergebnis wird am Donnerstag erwartet.

Seit der Unternehmensgründung 1972 hatten Vorstand und Beschäftigte eine Arbeitnehmervertretung immer wieder abgelehnt. Noch am 2. März hatten 91 Prozent der Mitarbeiter in Walldorf und St. Leon Rot einem Betriebsrat eine Absage erteilt. Anschließend erklärten die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat aber, die Wahl eines Betriebsrates selbst zu organisieren.

"Betriebsrat aus unserer Mitte"

Hintergrund waren drohende Auseinandersetzungen vor dem Arbeitsgericht, mit denen die Initiatoren der Wahl möglicherweise einen Betriebsrat hätten durchsetzen können. Vorstandssprecher Henning Kagermann sagte damals: "Wenn es einen Betriebsrat bei SAP geben muss, dann einen Betriebsrat aus unserer Mitte, der sich unserer besonderen Firmenkultur und unseren Werten verpflichtet fühlt." Es sei für das Unternehmen wichtig, dass kein fremdbestimmter Wahlvorstand per Gerichtsbeschluss eingesetzt werde, sondern dass die Mitarbeiter selbst über die Zusammensetzung des Wahlvorstands und des Betriebsrats befinden würden.

SAP ist das einzige börsennotierte Großunternehmen, das bislang über keinen Betriebsrat verfügt. Die Gewerkschaften IG Metall und Verdi hatten in den vergangenen Jahren mehrfach vergebliche Anläufe zu einer Betriebsratswahl bei SAP genommen und die Arbeitnehmervertretung im Aufsichtsrat als ungenügend kritisiert.

AP/DPA / AP / DPA