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Teure Blitzentlassung Moderna feuert neuen Finanzchef nach zwei Tagen – und zahlt 700.000 Dollar Abfindung

Teure Blitzentlassung: Moderna feuert neuen Finanzchef nach zwei Tagen – und zahlt 700.000 Dollar Abfindung
Am Montag trat Jorge Gomez seinen Job als Finanzchef des Impfstoffherstellers Moderna an. Am Mittwoch war er ihn schon wieder los. Trotzdem erhält er ein volles Jahresgehalt. Immerhin: Er verzichtet auf weitere Boni.

Zwei Tage arbeiten und dafür ein sechsstelliges Gehalt kassieren – da würden wohl viele Arbeitnehmer begeistert einschlagen. Jorge Gomez hatte sich die Sache allerdings wohl etwas anders vorgestellt, als er den Job als Finanzchef des US-Impfstoffentwicklers Moderna übernahm.

Erst am Montag hatte Gomez den Posten angetreten, am Mittwoch feuerte ihn die Firma schon wieder. Grund ist eine Finanzaffäre bei seinem vorherigen Arbeitgeber Dentsply Sirona, zu der am Dienstag Untersuchungen öffentlich geworden waren.

Trotz des reichlich kurzen Intermezzos zahlt Moderna Gomez 700.000 Dollar Abfindung, umgerechnet etwa 670.000 Euro. Das entspricht dem Grundgehalt für volle zwölf Monate. Immerhin muss Gomez auf seine Antrittsprämie verzichten und erhält auch keine weiteren Bonuszahlungen. 

Untersuchung bei Ex-Arbeitgeber

Die Abfindung stößt dennoch bei Beobachtern auf Unverständnis. "Niemand hat nach drei Tagen im Job eine Abfindung verdient, vielmehr sollte das Unternehmen die Kosten für seine Einstellung einfordern", sagte Nell Minow von der Beratungsfirma ValueEdge Advisors der Financial Times. Sie sieht aber auch ein eklatantes Versagen der Unternehmensführung von Moderna. Zum einen hätte sie ihm den Job niemals anbieten dürfen, zum anderen den Vertrag nicht so ausgestalten, dass Gomez eine derart hohe Abfindung zusteht.

Auch Jacob Frenkel, ein ehemaliger Ermittler der Börsenaufsicht SEC, wundert sich in der FT, wie man einen Manager einstellen kann, in dessen Zuständigkeitsbereich gerade eine Untersuchung finanzieller Unregelmäßigkeiten laufe. 

Bei Dentsply Sirona, dem weltgrößten Hersteller von Dentalprodukten, wird seit März intern wegen Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Incentive-Zahlungen ermittelt. Offenbar keine Lappalie: Schon im April feuerte das Unternehmen seinen CEO Don Casey ohne Angabe von Gründen. Moderna hingegen sagt, man habe von den Untersuchungen erst in dieser Woche erfahren, nachdem Dentsply Sirona sie öffentlich gemacht habe.

Nun muss Moderna schon wieder einen neuen Finanzchef suchen. Bis der gefunden ist, macht erstmal Vorgänger David Meline weiter, der eigentlich in den Ruhestand gehen wollte. So schlecht geht es ihm als Finanzvorstand des Unternehmens jedenfalls nicht. Für das Geschäftsjahr 2022 rechnet Moderna allein für seinen Corona-Impfstoff mit Erlösen von 21 Milliarden Dollar.

Quellen: Financial Times / Reuters / Moderna


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