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Nach Festnahme von Hoeneß-Banker: Schweizer Finanzwelt in Angst

Jüngst wurde ein Schweizer Banker in Polen festgenommen. Er wickelte einst Spekulationsgeschäfte von Uli Hoeneß ab. Seine Kollegen in der Alpenrepublik fragen sich: Können sie noch ins Ausland reisen?

Uli Hoeneß verbüßt seit Juni seine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Landsberg.

Uli Hoeneß verbüßt seit Juni seine Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Landsberg.

Die Festnahme des Schweizer Bankers Jürg Hügli vergangene Woche in Polen sorgt in der eidgenössischen Bankenwelt für Unruhe. "Das ist ein Schock", sagte Peter-René Wyder, Präsident des Schweizerischen Bankenpersonalverbandes dem stern. "Es gibt eine Menge Banker, die sich fragen, ob sie die Schweiz noch verlassen können. Manche sollten jetzt wirklich lieber zu Hause bleiben."

Hügli war lange Zeit Chef des Devisenhandels bei der Zürcher Privatbank Vontobel. Er wickelte auch die Spekulationsgeschäfte von Uli Hoeneß ab, dem ehemaligen Präsidenten des FC Bayern. Die Festnahme erfolgte auf Betreiben der Münchner Staatsanwaltschaft. Offenbar wird Hügli Beihilfe zur Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Fall Hoeneß vorgeworfen.

Für den Kölner Anwalt und Steuerrechtler Rolf Schwedhelm ist die Botschaft der deutschen Justiz eindeutig: "Die Staatsanwälte wollen an dem Banker ein Exempel statuieren nach dem Motto: Seht, liebe Schweizer, auch ihr seid nicht sicher."

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) lobte das Vorgehen der deutschen Justiz. "Steuerbetrug in Millionenhöhe macht niemand allein, das geht nur mit tätiger Mithilfe von Bankern", so Walter-Borjans zum stern. "Deshalb ist es nur konsequent, den Komplizen in den Banken klarzumachen, dass nicht nur der Steuerhinterzieher selbst ein hohes Risiko eingeht."

Eine Analyse zur Festnahme des Züricher Händlers

... lesen Sie im neuen stern, der ab Donnerstag am Kiosk erhältlich ist.

Joachim Reuter / print