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Nach muslimischen Protesten: Aldi nimmt Seife mit Moschee-Etikett aus den Regalen

Die Verpackung einer Flüssigseife des Discounters Aldi erhitzt die Gemüter: Die darauf abgebildete Moschee beleidige den Islam, so Muslime. Aldi reagiert umgehend - und erntet Unverständnis.

Corpus Delicti: Auf dem Etikett der Aldi-Seife prangt eine Moschee. Muslime sind empört - und der Discounter nimmt die Seife aus den Regalen.

Corpus Delicti: Auf dem Etikett der Aldi-Seife prangt eine Moschee. Muslime sind empört - und der Discounter nimmt die Seife aus den Regalen.

Eigentlich sollte die Flüssigseife "Ombia - 1001 nacht" nur als Winterprodukt in den Regalen des Supermarkt-Discounters Aldi-Süd landen. Ab Ende Dezember konnten Kunden die Flasche kaufen. Nun ist noch nicht einmal der Januar vergangen - und die Seife ist verschwunden. War der Geruch fies? Oder die Inhaltsstoffe giftig? Nein, Grund dafür ist das Etikett.

Denn die Plastikverpackung der Seife trug eine Moschee auf dem Etikett. Und löste heftige Debatten auf der Facebook-Seite des Discounters aus. Denn viele muslimische Kunden reagierten empört auf die Abbildung. "Die Moschee mit ihrer Kuppel und den Minaretten ist für muslimische Menschen ein Anblick, der für sie Würde und Hochachtung bedeutet“, zitiert die "Waz" einen Facebook-User. Beginn der Streitereien war ein Post eines Users, der Aldi bat, das Etikett zu ändern. Die Moschee sei nicht nur ein "orientalisches Zeichen", sondern auch ein "religiöses Symbol".

Inzwischen ist die Diskussion gelöscht. Doch auch heute, knapp eine Woche nach dem Beginn des Ärgers für Aldi, machen sich noch immer Facerbooker Luft.

Zwischen Irritation und Hass

Vor allem die Nähe zur Toilette in Badezimmern sei für Muslime eine Zumutung, schreiben Nutzer. Der Discounter reagierte promt. "Es tut uns leid, dass es bei Ihnen aufgrund der Gestaltung unserer Seife zu Irritationen gekommen ist. Bitte seien Sie versichert, dass dies keinesfalls unsere Absicht gewesen ist. Das Produkt wird in Kürze nicht mehr in unseren Filialen erhältlich sein", schrieb das Unternehmen auf der Facebook-Seite. Inzwischen ist die Mitteilung nicht mehr aufrufbar. "Die bildliche Gestaltung des Produkts sollte die orientalische Duftrichtung unterstreichen und keinesfalls die religiösen Gefühle in irgendeiner Art verletzen", zitiert die "Waz" eine schriftliche Antwort von Aldi.

Die Reaktion von Aldi treibt nun die Diskussion neu an: Soll ein Unternehmen in so einer Situation das Produkt aus den Regalen nehmen oder auf Verständnis der Kunden hoffen? In ersten Reaktionen kündigen nun nicht-muslimische Kunden den Boykott des Discounters an. Für sie gehe dieses Statement der Supermarktkette zu weit. Oder sie fordern - halb ernst, halb spaßig -, dass auch Schweinefleisch oder Verpackungen, die ein Kreuz tragen, verschwinden müssen. Inzwischen finden sich auf der Facebook-Seite nicht nur irritierte Kunden, sondern offenherzige Rechtshetzer. Nur wenige Facebooker beweisen Humor. "Also ich mag Aldi! Ich würde auch bei euch einkaufen, wenn ihr ne Seife mit dem Kölner Dom verkaufen würdet!", schreibt ein Nutzer.

kg
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