Nach Rickes Rücktritt T-Aktie im Aufwind


Nach dem Rücktritt von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke legt die T-Aktie zu. Rickes Nachfolger René Obermann steht nun nach Einschätzung von Aktionärsschützern unter großem Zeitdruck - und auch die Stühle anderer Vorstandsmitglieder wackeln.

Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke tritt ab und die Anleger jubeln. Bereits im vorbörslichen Handel hat das Telekom-Papier um 2,7 Prozent zugelegt, auf dem Parkett selbst hat die T-Aktie am Montagmorgen um 1,9 Prozent gestiegen und hat damit die Liste der Gewinner im DAX angeführt. Offenbar stößt auch Rickes Nachfolger bei den Börsianern auf Zustimmung. Der Aufsichtsrat machte in seiner Sitzung am Morgen Rene Obermann, Chef der Konzerntochter T-Mobile, zum neuen Konzernchef. Offen ist bislang, ob Ricke der einzige Vorstand ist, der gehen muss. Schon länger wird kolportiert, dass der Chef der Festnetzsparte T-Com, Walter Raizner, seinen Job abgeben wird.

Obermann will Spagat zwischen Sparsamkeit und guter Leistung angehen

Obermanns Vertrag läuft fünf Jahre, wie Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel sagte. Er sei eine führungsstarke Persönlichkeit. Zumwinkel dankte Ricke für "den Schuldenabbau und die Konsolidierung" in den vergangenen Jahren.

Es gehe nun darum, Herausforderungen wie das Internet zu meistern und den Aktienkurs der Telekom zu steigern, sagte der Aufsichtsratschef. Obermann sprach von einer anspruchsvollen Aufgabe. "Die Rahmenbedingungen werden in Zukunft schwierig bleiben", betonte er und verwies dabei unter anderem auf Anstrengungen der Regulierer für mehr Wettbewerb. Zugleich lägen im technologischen Wandel Chancen für die Zukunft. "Wir werden es in Zukunft nicht allen recht machen können", sagte Obermann. Man werde jeden Cent zwei Mal umdrehen müssen. Es sei ein Spagat zwischen Sparsamkeit und guter Leistung erforderlich. "Ich will, dass unsere Kunden mit unserem Unternehmen wieder rundum zufrieden sein können", betonte der neue Telekom-Chef.

Aktionärsschützerin sieht Obermann unter Druck

Das Aufsichtsratspräsidium und Ricke hatten sich am Sonntagabend einvernehmlich über dessen Ausscheiden zum 13. November verständigt, hieß es in einer knappen Pflichtmitteilung. Das vierköpfige Präsidium war in Bonn zusammengekommen, nachdem sich Gerüchte verdichtet hatten, dass der Konzernchef bald abtreten müsse. Ricke, der seit vier Jahren an der Telekom-Spitze steht, hatte einen bis Herbst 2007 laufenden Vertrag.

Kritiker machen Ricke dafür verantwortlich, dass der Telekom die Festnetz-Kunden in Scharen davonlaufen. Außerdem wurde der 45-Jährige wegen seiner massiven Personalabbau-Pläne von Arbeitnehmervertretern kritisiert. Hintergrund ist offenbar Verärgerung bei den Telekom-Hauptaktionären, dem Bund und der US-Investmentgesellschaft Blackstone, über Kundenverluste, enttäuschende Gewinne und den schlechten Aktienkurs der Telekom.

Obermann könnte seinen Posten schon in dieser Woche antreten, hieß es in Medienberichten. Er steht nach Einschätzung der Aktionärsschützerin Reinhild Keitel unter großem Zeitdruck. Sie habe ihre Zweifel, ob Obermann der richtige Mann auf dem Chefsessel der Telekom sei, sagte Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Wenn es Obermann nicht gelinge, überzeugende neue Strategien vorzulegen, werde er schneller abgelöst werden als Ricke, der vier Jahre den Kurs der Telekom bestimmte.

Ricke, so die Aktionärsschützerin, habe vor allem in der Festnetzsparte keine richtige Strategie gehabt und verspätet auf Marktentwicklungen reagiert. Ein weiteres Problem der Telekom sei, dass sie im Vergleich zu anderen europäischen Wettbewerbern noch immer eine wesentlich höhere Personalbesetzung habe - "und da muss wahrscheinlich auch angepasst werden", sagte Keitel.

Reuters/AP/DPA AP DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker