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Streit um Trinkwasser: Behörde: Nestlé entnimmt und verkauft Wasser aus Nationalforst ohne ausreichende Genehmigung

Nestlé pumpt jährlich Millionen Liter Wasser aus den Quellen eines Nationalforsts in Kalifornien, füllt es in Flaschen und verkauft es. Jetzt kam heraus: Der Konzern handelte offenbar ohne ausreichende Genehmigung.

Nestle Wasserflaschen

Eine Packung mit Nestlé-Wasserflaschen. In Kalifornien sorgt das Abpumpen und Abfüllen von Quellwasser für die Konzernmarke "Arrowhead" derzeit für Kontroversen.

Für Nestlé ist es ein einträgliches Geschäft: Der Lebensmittelgigant pumpt jährlich Millionen Liter Wasser aus den Quellen im San Bernadino National Forest im Süden des Kaliforniens, füllt es in Flaschen ab und verkauft es unter seiner Marke "Arrowhead" im gesamten Westen der USA. Angaben der Lokalzeitung "The Desert Sun" zufolge, zahlt Nestlé zudem nichts für das Wasser. Der für den Nationalforst zuständige "Forest Service" berechne lediglich eine jährliche Gebühr von 624 Dollar für das Abpumpen, umgerechnet etwa 523 Euro. 

Im dürregeplagten Kalifornien sorgte das für Unmut. Nachdem das Blatt mehrfach kritisch über s Aktivitäten in San Bernadino berichtete, gingen beim "State Water Board", der zuständigen Wasserbehörde des US-Bundesstaats, mehrere Beschwerden gegen das Abpumpen ein. Es folgte eine fast zwei Jahre dauernde Untersuchung durch die Behörde.

Nestlés Genehmigung reicht nur für einen Bruchteil der abgepumpten Menge 

San Bernadino Forest Pipeline

Eine Rohrleitung von Nestlé im San Bernadino National Forest

Das Ergebnis war für Nestlé wenig erfreulich: Das "State Water Bord" kam in dem vor einigen Tagen veröffentlichten Report nämlich zu dem Ergebnis, dass die Schweizer offenbar den Löwenanteil des Wassers ohne Genehmigung abgepumpt und verkauft haben. Demnach entnehme Nestlé nach eigenen Angaben durchschnittlich jährlich etwa 62,6 Millionen Gallonen - etwa 237 Millionen Liter - Wasser aus dem San Bernadino Forest. Allerdings hätte das Unternehmen nur das Recht zur Entnahme von etwa 8,5 Millionen Gallonen, was 32 Millionen Litern entspricht. 

Um den Sachverhalt zu klären, mussten die mit der Untersuchung betrauten Sachverständigen weit in die Vergangenheit blicken. "Arrowhead", heute im Besitz von Nestlé, wurde bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gegründet. Die zu sichtenden Dokumente hinsichtlich der Wasserrechte in den Quellen gehen sogar bis ins 19. Jahrhundert zurück. Im Untersuchungsbericht heißt es, Nestlés Anspruch gründe auf eine Regelung von vor 1914. Diese habe ihren Ursprung in einem Besitzanspruch auf die Wasserrechte von 1865, der nach Auffassung der Schweizer mittlerweile auf den Konzern übergegangen sei. Allerdings ist dieser Anspruch nach Ansicht der Behörde beschränkt und deckt den aktuellen Nutzungsumfang des Wassers seitens des Konzerns nicht ab. 

Die Behörde verlangt nun, dass Nestlé unverzüglich alle nicht genehmigten Abzweigungen einstellt und sich um eine gültige Genehmigung bemüht, heißt es in dem Report. 

Immer wieder Ärger ums Trinkwasser

Die "Desert Sun" zitiert eine Nestlé-Sprecherin mit den Worten, man wolle den Untersuchungsbericht nun zunächst gründlich studieren, um reagieren zu können. Gleichwohl sei das Unternehmen froh, dass das Ergebnis bekräftige, das Nestlé grundsätzlich eine Genehmigung zur Entnahme des Wassers habe.

Nestlé ist weltweit der größte Produzent von in Flaschen abgefülltem Trinkwasser. Die Schweizer sind beständig auf der Suche nach neuen Quellen und Wassernutzungsrechten und stehen deswegen auch immer wieder in der Kritik - in den USA und weltweit. 2005 sorgten darüber hinaus kontroverse Aussagen des ehemaligen Nestlé-Verwaltungsratspräsidenten Peter Brabeck-Lethmate über den Marktwert von Trinkwasser für Aufsehen.

Die Zitate bescherten dem Lebensmittel-Multi einen großen Image-Schaden, die Hintergründe und weitere Nestlé-Skandale finden sie hier.  

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