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Onlineshopping Nie mehr die falsche Schuhgröße bestellen – Berliner Start-up hat eine Lösung parat

Die millimetergenaue Messung funktioniert mit der Smartphone-Kamera
Die millimetergenaue Messung funktioniert mit der Smartphone-Kamera
© Footprint Technologies
Jeder zweite online bestellte Schuh wird zurückgeschickt. Das Berliner Start-up Footprint Technologies will das mit einer innovativen Vermessungsmethode ändern. Erster Testfall sind Kinderschuhe. 

Wer Schuhe online bestellt, kennt das Problem: So ganz sicher kann man sich selten sein, ob die gewählte Größe am Ende wirklich passt. Bei manchen Herstellern fallen die Schuhe kleiner aus, bei anderen breiter. Sofern man das Modell nicht schon mal selbst am Fuß getragen hat, muss man sich auf Größenangaben und Beschreibungen verlassen. Bei Schuhen ist die Retourenquote im Onlinehandel daher enorm: Jeder zweite bestellte Schuh wird Schätzungen zufolge zurückgeschickt.

Das Berliner Start-up Footprint Technologies will das ändern. Die Firma hat eine technische Lösung entwickelt, die es Online-Schuhkäufern ermöglichen soll, in wenigen Augenblicken für jedes Schuhmodell die individuell passende Größe herauszufinden. "Unser Ziel ist es, den Online-Schuhhandel nachhaltiger zu machen", sagt Footprint-Chef Matthias Brendel im Gespräch mit dem stern

Fußmessung und Schuhabgleich

Für diese Vision hat der 38-jährige Umweltingenieur seinen gut bezahlten Konzernjob bei Audi aufgegeben und ist 2019 unter die Gründer gegangen. Die Lösung, die er und seine Mitstreiter ausgetüftelt haben, funktioniert so: Zunächst scannt der Kunde zu Hause mit seinem Smartphone seinen nackten Fuß. Das Messergebnis gleicht ein Algorithmus dann mit einer Datenbank ab, in der sich die exakten Innenmaße des jeweiligen Schuhmodells befinden – und spuckt nach wenigen Sekunden die passende Größe aus. Die Trefferquote sei in Tests sehr hoch gewesen, sagt Brendel.

Das Praktische an der Footprint-Lösung ist: Kunden müssen keine App installieren, sondern lediglich einen Button im Onlineshop klicken, und werden in wenigen Schritten am Smartphone durch die Vermessungsprozedur geführt. Zudem ist der Service für Kunden kostenlos.

Der Haken an der Sache: Damit das funktioniert, ist Footprint auf die Kooperation von Schuhhändlern und -herstellern angewiesen. Zum einen muss der Onlinehändler den Fußvermessungsservice auf seiner Seite implementiert haben. Zum anderen müssen die Schuhhersteller Footprint Zugang zu ihrem Heiligsten gewähren. "Für den Aufbau unserer Datenbank vermessen wir eigens die Leisten, auf denen die Hersteller ihre Schuhe bauen", sagt Gründer Brendel. Nur so funktioniere der millimetergenaue Abgleich von Füßen und Schuhen. 

Start mit Kinderschuhen

Brendels Firma kann den Service also nicht auf einen Schlag für alle Schuhe dieser Welt anbieten, sondern muss nach und nach immer mehr Händler und Hersteller ins Boot holen. Dass die mitmachen, und für den Service sogar noch bezahlen, davon ist Brendel überzeugt. Schließlich könnten die Hersteller sich jede Menge unnötige Retourenkosten sparen.

Den Anfang macht Footprint im Segment Kinderschuhe, dort sei "der Bedarf am größten", ist Brendel überzeugt. Denn während viele Erwachsene die Größe ihrer Füße halbwegs kennen, sieht das bei schnell wachsenden Kinderfüßen anders aus. Alle paar Monate rätseln Eltern aufs Neue, welche Schuhgröße sie nun wieder für den Nachwuchs besorgen müssen. Das habe er selbst am Beispiel seiner Nichte erlebt, berichtet Brendel, was ihn überhaupt erst zu der Footprint-Idee inspirierte. Bei Kinderschuhen seien die Ergebnisse der Fußmessungen und Schuhempfehlungen derzeit zu 90 Prozent passgenau, sagt Brendel. "An den restlichen zehn Prozent arbeiten wird natürlich, indem wir neben Fußlänge und -breite auch weitere geometrische Merkmale berücksichtigen

Ein erster Partner setzt die Footprint-Technologie bereits ein: Vor wenigen Tagen ging die Messfunktion auf der Seite des süddeutschen Kinderschuhmachers Ricosta live. Kooperationen mit weiteren Marken und einigen größeren Onlineshops sind bereits geschlossen. In kürzester Zeit will Footprint einen Großteil des Kinderschuhmarktes abdecken, auch um Wettbewerbern zuvor zu kommen, die an ähnlichen technischen Lösungen arbeiten. Schon im kommenden Jahr soll die Fußvermessung auf Erwachsenenschuhe und andere Länder ausgedehnt werden.

Aus dem kleinen Berliner Start-up mit aktuell zehn festen Mitarbeitern könnte dann schnell mehr werden. Finanziert wird das Unternehmen durch Business Angels, unter denen sich auch der ehemalige Karstadt-Chef und Deichmann-Manager Helmut Merkel befindet. Brendels Ziel für die Vermessung der Schuhwelt: "Wir wollen Marktführer in Europa werden."


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