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Onlineshopping: Billig verboten: Darum sind Markenprodukte online nicht günstiger

Mit Verboten für den Onlinehandel halten viele Markenhersteller ihre Preise hoch. Laut einer Studie kostet das nicht nur die Kunden Geld, sondern treibt auch viele Onlinehändler in den Ruin.

Onlineshopping

Onlineshopping ist so einfach - doch hinter den Kulissen rumort es

Wer regelmäßig online einkauft, kennt das Phänomen: Manche Markenprodukte findet man einfach nicht günstiger, auch wenn man noch so viele Anbieter vergleicht. Das liegt daran, dass einige Hersteller den Händlern strenge Vorgaben zum Verkauf ihrer Produkte machen - wenn sie überhaupt mit ihnen zusammenarbeiten. Was den Kunden Geld kostet, ist auch für viele kleine und mittelgroße Onlinehändler ein großes Problem. Aus ihrer Sicht sind solche Gängelungen nicht nur wettbewerbswidrig, sondern auch existenzbedrohend.

Laut einer Umfrage des Bundesverbandes Onlinehandel (BVOH) stehen Tausende kleiner und mittelständischer Onlinehändler wegen der Praktiken der Markenhersteller vor dem Aus. Der Verband befragte rund 7000 Unternehmen in Deutschland und Europa zu den Folgen von Herstellerbeschränkungen. Fast die Hälfte der deutschen Händler beklagt demnach Umsatzverluste. Ein weiteres Viertel sieht die Zukunft bedroht. Und 11 Prozent der Unternehmen haben bereits Mitarbeiter entlassen, Teile des Shops geschlossen oder Insolvenz angemeldet. Der BVOH schätzt, dass mehr als 10.000 Unternehmen bereits Mitarbeiter entlassen mussten.

Beschwerden über 2000 Markenhersteller

In der Umfrage benannten die Händler fast 2000 Hersteller und Marken, die den Verkauf im Internet behindern oder gleich ganz untersagen. Am häufigsten beschwerten sich die Befragten über Nike und Adidas, gefolgt von Deuter, Fossil und Sony.

Die Methoden der Markenhersteller, um ihre Exklusivität zu schützen, sind vielfältig: Am häufigsten beschwerten sich die befragten Händler über ein Verkaufsverbot für Marktplätze wie Amazon oder Ebay. Auf Platz zwei rangieren Preisvorgaben - halten sich Händler beispielsweise nicht an die UVP, drohen Nachteile. Manche Markeninhaber verbieten den Händlern zudem, ihre Produkte bei Preisvergleichsportalen einzustellen oder über Grenzen hinweg zu verkaufen. Auch schlechtere Service- und Garantiebedingungen, wenn das Produkt online erworben wurde, gehören zum Repertoire. Und schließlich können sich die Hersteller auch komplett weigern, ihr Sortiment an bestimmte Onlinehändler zu liefern.

Verbraucher zahlen zuviel

Die Onlinehändler-Lobby betont, dass die Beschränkungen nicht nur den Händlern, sondern auch den Verbrauchern Nachteile bringen. "Sie zahlen häufig deutlich mehr für Produkte, als sie es bei einem funktionierenden Wettbewerb müssten. Das darf nicht so bleiben. Der Schaden beträgt Jahr für Jahr Milliarden Euro", sagt BVOH-Präsident Oliver Prothmann.

Beschränkungen für den Onlineverkauf von Markenartikeln sind ein heikles juristisches Thema. Denn das Markenrecht erlaubt den Herstellern zwar, den Vertrieb ihrer Produkte bis zu einem gewissen Maß zu kontrollieren. Wenn Verbote allerdings dazu genutzt werden, die Preise künstlich hoch zu halten, gerät der Markeninhaber in Konflikt mit dem Kartell- und Wettbewerbsrecht.

Gerichte beschäftigten sich daher immer wieder mit der Problematik. Kürzlich verwies das OLG Frankfurt den Fall des Kosmetikkonzerns Coty gar an den Europäischen Gerichtshof: Die EU-Richter sollen nun klären, ob ein Markenhersteller Händlern den Vertrieb seiner Produkte über Marktplätze wie Amazon oder Ebay verbieten darf.

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