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Opel-Bürgschaften: Nach Rüsselsheim kehrt Hoffnung zurück

Nach monatelangem Wechselbad der Gefühle keimt bei Opel in Rüsselsheim wieder Hoffnung auf. Große Erleichterung war am Pfingstwochenende vielen Beschäftigten des Autoherstellers anzumerken - aber auch Rüsselsheimern, die nicht bei Opel arbeiten.

Schon bei der samstäglichen Sonderschicht für die Produktion des neuen Mittelkassemodells Insignia war die Stimmung deutlich gelöster als in den Tagen der Ungewissheit zuvor.

"Wir sind erfreut, dass Opel gerettet ist. Wir haben alle Familie, da war die ganze Zeit Stress", sagte einer der Kollegen aus der Insignia-Produktion nach seiner Schicht und vor der Fahrt ins Pfingstwochenende auf dem Parkplatz vor dem Opel-Werk. Ein anderer Schichtarbeiter pflichtete ihm bei: "Endlich was Positives, die ganze Zeit war Ungewissheit, jetzt können wir ruhiger nach vorne schauen", sagte er in die Fernsehkameras, die seit Tagen von den Werkstoren standen, aber bei den vielen widersprüchlichen Meldungen aus Berlin lieber gemieden wurden.

Nach der Entscheidung der Bundesregierung für den österreichisch- kanadischen Zulieferer Magna gibt es auch vor dem alten Opel- Haupteingang am Bahnhof wieder Mitarbeiter, die über ihre Gefühlslage berichten: "Die Stimmung ist jetzt schon viel besser, auf jeden Fall." Alte Rüsselsheimer auf dem Marktplatz vor der Stadtkirche zeigten sich ebenfalls hocherfreut: "Ich denke, dass es ein sehr großer Schritt gewesen ist, nicht nur für diese Stadt, auch für die Umgebung, denn an Opel hängt doch sehr viel."

Dass auf die Belegschaft und ihre Vertreter noch ein hartes Stück Arbeit wartet, ist dem Betriebsratschef Klaus Franz nur zu deutlich bewusst. "Es wird eine Sanierung, es wird nicht ohne Arbeitsplatzabbau an den Standorten gehen in Deutschland und auch in Europa." Franz erwartet deswegen noch sehr kontroverse Verhandlungen, "aber wir haben nach 80 Jahren die einmalige Chance, Opel in Europa neu zu gründen, basierend auf unseren Werten. Ich glaube die Menschen werden jetzt wahnsinnig motiviert sein und sie werden auch in der Lage sein, ihren Beitrag zu leisten", sagte Franz dem Hessischen Rundfunk.

Nötig sei in den nächsten Wochen viel Detailarbeit: Dazu gehörten Antworten auf die Frage, welche Fahrzeuge in welchem Volumen an welchem Standort produziert würden. Geklärt werden müsse auch, für welche Modelle es Nachfolgeprodukte gebe, und wie eine mangelhafte Auslastung von Werken überbrückt werden können.

AP / AP