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ARD-Reportage: Warum viele Orient-Teppiche ein großes Problem sind

Handgeknüpfte Teppiche aus Indien sind in Deutschland ein großer Renner. Ein ARD-Team hat undercover recherchiert, wie die Teppiche gefertigt werden - und stieß auf erschreckende Zustände.

Bei Teppichen aus Indien ist Kinderarbeit ein Problem (Symbolbild)

Bei Teppichen aus Indien ist Kinderarbeit ein Problem (Symbolbild)

Getty Images

Bei Anbietern wie XXXLutz und Teppich Kibek gibt es hierzulande handgeknüpfte Orient-Teppiche aus Indien zu bezahlbaren Preisen. Um das Gewissen der Käufer zu beruhigen, versprechen Etiketten: "keine Kinderarbeit". Aber stimmt das? Eine Recherche des ARD-Magazins "Plusminus" zeigt, dass bei solchen Versprechen zumindest Vorsicht angesagt ist.

Die Reporter reisten undercover in den sogenannten Teppichgürtel nach Indien, ein Gebiet rund um die Stadt Agra mit dem weltberühmten Taj Mahal, in dem 90 Prozent der indischen Teppiche für den Weltmarkt produziert werden. Um herauszufinden, unter welchen Bedingungen Teppiche für den deutschen Markt hergestellt werden, gaben sich die Reporter selbst als Teppichhändler aus, die auf der Suche nach passenden Herstellern und Exporteuren seien.

Kinderarbeit im Schatten des Taj Mahal

Es dauert nicht lange, bis sie auf die dunklen Seiten der Teppichindustrie stoßen. In einem Dorf nahe Agra müssen Kinder bis zu zwölf Stunden am Tag Teppiche knüpfen, um einen Beitrag zum Familieneinkommen zu leisten. Eigentlich ist in Indien nur ein kleiner Zuverdienst nach der Schule gestattet, aber an Schule ist bei diesem Arbeitspensum nicht zu denken. Einige Kinderhände sind schon von den scharfen Teppichmessern verstümmelt. Das jüngste Kind, das die Reporter antreffen, ist vier Jahre alt.

Ein Exporteur aus Agra, der Teppiche nach Deutschland liefert, bestätigt den Reportern, dass er Teppiche aus dem besuchten Dorf bezieht. Von Kinderarbeit will er aber nichts wissen. Das ARD-Team besucht noch einen weiteren Exporteur, mit dem es bereits auf einer Messe in Deutschland Kontakt aufgenommen hat. Dieses gibt an, auch Teppich Kibek und XXXLutz zu beliefern. Man gebe sein Bestes, um Kinderarbeit auszuschließen, erklärt der Exporteur, aber zu 100 Prozent ausschließen könne das niemand. Dafür gebe es in Indien einfach zu viel Armut.

Und das Etikett "ohne Kinderarbeit"? Ja, wir machen einfach ein Etikett auf den Teppich mit der Aufschrift 'Ohne Kinderarbeit hergestellt'", sagt der Exporteur den Undercover-Reportern. "Wir kleben es einfach auf den Teppich. Kein Problem."

Auch Schadstoffe ein Problem

Mit welchen indischen Zulieferern XXXLutz und Teppich Kibek zusammenarbeiten, wollten die Unternehmen Plusminus nicht verraten. Zum Thema Kinderarbeit erklärte Teppich Kibek gegenüber Plusminus: "Mit allen unseren Lieferanten haben wir Verträge abgeschlossen, in denen diese sich verpflichten, Kinderarbeit (...) auszuschließen." XXXLutz erklärte: "Da einige Produzenten die Teppiche auch in Heimarbeit fertigen lassen, ist ein hundertprozentiger Ausschluss grundsätzlich nicht zu garantieren." Beide Unternehmen gab an, eigene Kontrollen in Indien durchzuführen.

Neben der Kinderarbeit fördert die Plusminus-Doku noch ein weiteres Problem zutage: In einer indischen Färberei beobachten die Reporter, wie die Arbeiter ohne Schutzhandschuhe mit giftigen Chemikalien hantieren. Und auch im fertigen Produkt können noch gesundheitsgefährdende Schadstoffe stecken. In einigen Teppichen aus Indien findet Plusminus bedenklich hohe Dosen des Azofarbstoffs Benzidin.

Den kompletten Plusminus-Beitrag können Sie in der ARD-Mediathek sehen 

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bak
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