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Outdoor-Marke: Zu viele Wall-Street-Hipster: Patagonia schämt sich für seine Kunden - und will nicht mehr liefern

Lieblingsmarke wider Willen: Fleecewesten von Patagonia sind unter Wall-Street-Bankern und Silicon-Valley-Managern zum Must-Have aufgestiegen. Nun fürchtet die Firma um ihr gutes Image - und will nicht mehr jeden beliefern.

Patagonia

Patagonia ist eigentlich eine Outdoorsportmarke

Picture Alliance

Die Outdoormarke Patagonia steht für Natur, Abenteuer und Freiheit. Auf ihren Marketingkanälen sind Fotos von Kletterern in atemraubenden Gebirgslandschaften zu sehen oder Surfer, die die schönsten Wellen reiten. Doch dieses Image ist in Gefahr. Denn die Klamotten der US-Marke sind nicht nur bei unerschrockenen Outdoor-Helden beliebt, sondern auch bei einer Kundschaft, auf die die Firma trotz ihrer unbestrittenen Zahlungskraft liebend gern verzichten würde: New Yorker Bankern und anderen grauen Herren des Kapitalismus.  

Insbesondere die Fleecewesten von Patagonia erfreuen sich unter Wall-Street-Bankern derartiger Beliebtheit, dass sie als neue Uniform der New Yorker Finanzwelt gelten. Statt Sacko trägt der moderne Business-Hipster über seinem Hemd eine Patagonia-Weste. Das epidemische Ausmaß des neuen Dresscodes dokumentiert der Instagram-Account "Midtown Uniform" mit einer Sammlung besonders schöner Schnappschüsse, versehen mit süffisanten Kommentaren. 

Auch im Silicon Valley ist die "Power-Vest" beliebt: Facebook-Managerin Sheryl Sandberg oder Uber-Chef Dara Khosrowshahi - nicht unbedingt jedermanns Sympathieträger - tragen sie mit Stolz. Einige Finanz- und Techunternehmen verstärken den Uniform-Charakter noch, indem sie sich das eigene Firmenlogo auf die Weste sticken lassen. Das alles ist insofern schräg, als Patagonia sich offensiv als ökologisches, nachhaltiges Unternehmen positioniert, das dem Konzept des Turbo-Kapitalismus betont kritisch gegenübersteht. 

Keine Uniformen mehr für Banker

Dass Patagonia mit der Welt der Wall Street und des Valley schlecht zusammenpasst, ist mittlerweile auch dem Hersteller aufgefallen. Daher will Patagonia künftig keine bestickten Westen mehr an Firmen liefern, die nicht die Werte von Patagonia teilen. In einer öffentlich gewordenen Mail von Patagonia an die Chefin einer Investment-Firma heißt es, die Finanzindustrie sei nicht die Umgebung, in der man derzeit Marketing betreiben wolle. Co-Branding von Firmen, die im Öl- oder anderen umweltschädlichen Geschäften involviert sind, sei man abgeneigt. 

Bestickte Patagonia-Westen erhalten künftig nur noch Firmen, die bestimmte ethisch-ökologische Standards einhalten oder sich der Initiative "One Percent for the Planet" angeschlossen haben, in der Unternehmen sich verpflichten, ein Prozent ihres Umsatzes für Umweltschutz auszugeben. 

Der Kampf um den guten Namen hört jedenfalls so schnell nicht auf: An anderer Stelle ist schon das nächste Schlachtfeld eröffnet. ABInbev, der größte Bier-Konzern der Welt, hat eine neue Sorte mit dem Namen "Patagonia" herausgebracht. Dagegen hat die Modemarke, die übrigens auch ein eigenes Bier namens "Long Root Ale" vertreibt, nun Klage eingereicht. 

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