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Schlechte Tarnung: Weil es schicker aussieht - Pentagon bestellte Waldmuster-Uniformen für Afghanistan

In Afghanistan gibt es zwar kaum Bäume, doch dem Verteidigungsminister gefiel ein schmuckes Waldmuster am besten. Also kaufte das Pentagon Uniformen, mit denen ein Soldat wie eine Tanne in der Wüste auffällt.

Das Waldmuster ist schmuck - aber unpraktisch.

Das Waldmuster ist schmuck - aber unpraktisch.

28 Millionen Dollar ließ sich das Pentagon neue Uniformen für die afghanische Armee kosten. Das Problem dabei: Das bestellte Tarnmuster schützt Soldaten in den tiefen Wäldern Oregons, in der kargen Landschaft Afghanistans fällt der Soldat damit aber auf wie ein Baum in der Wüste.

Muster gefiel dem Minister

Das Wald-Tarnmuster wurde offenbar ohne vorherige Prüfung und Erprobung angeschafft, bemängelte die Kosten-Prüfstelle für den Wiederaufbau in Afghanistan. Vor 2007 behalf sich die afghanische Armee mit alten Beständen der US-Streitkräfte, dann wurde das neue Muster entwickelt. Das Tarnmuster trägt einen imposanten Namen: "HyperStealth’s Spec4ce Forest" nennt sich das Design.

 Im Zweiten Weltkrieg reichten noch bescheidene Bezeichnungen wie "Splittertarn B" aus. Ausgewählt wurde das untaugliche Muster mit dem fantastischen Namen vom damaligen afghanischen Verteidigungsminister Abdul Rahim Wardak. Er soll die Muster auf einer Webseite begutachtet haben und das Modell ausgewählt haben, welches ihm am besten gefiel. Bezahlen durfte natürlich der amerikanische Steuerzahler.

"Im Namen der Mode"

"Das ist einfach unglaublich dumm. Wir haben 28 Millionen Dollar des Steuerzahlers im Namen der Mode ausgegeben, weil der Verteidigungsminister dachte, das Muster sei sehr hübsch. Wenn ihm Pink oder Violett besser gefallen hätten, was hätten wir denn dann gemacht?", regt sich John Sopko, der Chefinspektor, laut "USA Today" auf.

Die Modelle von Hyperstealth kann man auch als Privatperson erwerben.

Die Modelle von Hyperstealth kann man auch als Privatperson erwerben.

Keine Tests - aber horrende Lizenzkosten

Dr. Timothy O’Neill entwickelte die Tarnmuster der US-Streitkräfte. Er sagt, es sei ein sehr aufwendiger und komplizierter Prozess, das richtige Muster für eine spezifische Umgebung zu ermitteln. In diesem Fall ist das Urteil aber einfach: "Wüstendesigns funktionieren nicht in bewaldeten Gebieten und Waldmuster nicht in der Wüste." Das "HyperStealth’s Spec4ce Forest" hat keinen offiziellen Test durchlaufen. Es besteht daher der Eindruck, als wäre das Muster allein von Designstandpunkten aus entwickelt worden. Dafür müssen bei "HyperStealth’s Spec4ce Forest" Markenrechte für jedes Stück Uniform bezahlt werden, was den Auftrag entsprechend verteuerte. Jede Uniform soll etwa 40 bis 43 Prozent teurer sein, als es nötig gewesen wäre. Bezogen auf die Gesamtsumme des Auftrags dürften demnach etwa acht Millionen Dollar auf Designrechte entfallen sein. 

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Die US-Armee soll zudem über zahlreiche Designs für viele Einsatzgebiete verfügen, die die Afghanen hätten kostenfrei nutzen können. "Wir haben Tarnmuster", sagt Sopko. "Dutzende! Alle umsonst!" Sopkos professionelle Verantwortung gilt vor allem dem US-Steuerzahler, aber die wirklichen Verlierer der Uniform-Katastrophe sind natürlich die Soldaten. "Mir tun die armen afghanischen Soldaten leid. Sie laufen mit einem Schild "Erschieße mich!" auf dem Rücken herum. Nur zwei Prozent von Afghanistan sind bewaldet und dafür hat der Minister das passende Muster ausgesucht."


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