HOME

Pflegekräfte reagieren auf Wallraff-Enthüllungen: "Wir werden angespuckt, geschlagen und beleidigt"

Heimbewohner mit Hämatomen, Fäkaliengestank, Vernachlässigung: "Team Wallraff" hat schockierende Bilder aus deutschen Pflegeheimen geliefert. Altenpfleger reagieren entsetzt - und prangern selbst an.

Dass manche Altenheime kein schöner Ort zum Leben sind, ist bekannt. Zu häufig sind die wenigen Pflegekräfte überfordert und haben keine Zeit, sich ausreichend um die Bewohner zu kümmern. Welche Auswüchse die Missstände in manchen Pflegeheimen erreichen, hat das "Team Wallraff" in einer erschreckenden Reportage dokumentiert: Heimbewohner liegen stundenlang in ihrem eigenen Urin, werden vernachlässigt, möglicherweise sogar geschlagen. Auch wenn man weiß, dass es in manchen Pflegeheimen unschön zugeht, schockieren die Bilder.

Dementsprechend heftig sind die Reaktionen auf die von RTL ausgestrahlte Reportage. In sozialen Netzwerken, etwa auf der Facebookseite von "Team Wallraff", entlädt sich die Wut vieler Zuschauer über die Zustände. Die Wut auf ein unmenschliches System und auf die schwarzen Schafe unter den Pflegekräften. Manche berichten, sie hätten geweint. Auch viele Altenpfleger beteiligen sich an der emotionalen Diskussion, bestätigen Teile des Berichts oder verteidigen den Berufsstand und prangern selbst an. Hier sind ihre Reaktionen.

Das sagen Pflegekräfte zu den Missständen


Nadine K.: "Wir Pflegekräfte geben täglich alles für die Patienten! Wir werden oft angespuckt, geschlagen und beleidigt, aber wir lieben diesen Job. Wir arbeiten unter schwersten Bedingungen, mit keinerlei Anerkennung für diesen Beruf und mit einem Mini-Gehalt, lange nicht überall ist es so! Viele von uns tun es trotzdem gern und wir sind STOLZ auf unsere Leistung! Es ist nicht fair Pflegekräfte jetzt so hinzustellen."

Andrea F.: "Lieber Herr Wallraff, ich bin stinksauer!!!! Ja auch in unserem Beruf, wie in vielen anderen Berufen auch, gibt es schwarze Schafe, wir finden das auch nicht toll und das darf es nicht geben. Müssen Sie aber ausgerechnet jetzt mit diesen negativen Schlagzeilen auf uns herumhacken? Viele meiner Kollegen und Kolleginnen leisten eine Überstunde nach der anderen, um ihren Beitrag für die Gesellschaft zu leisten, die Menschen zu betreuen, die ins Abseits gedrängt werden, weil sie keine Leistung mehr bringen. [...] Vielen Dank dafür, dass wir mal wieder der Buhmann der Nation sind."

Jennifer S.:

"Ich kann meine Hand dafür ins Feuer legen, dass es bei uns im Pflegeheim sowas nicht gibt. Trotz Stress."

"Nicht alle Pflegekräfte sind Monster!"


Julia H.: "Nicht alle Pflegeheime sind so furchtbar! Und erst recht nicht alle Pflegekräfte sind Monster!!!! Der Beitrag zeigt, dass es solche schlimmen Zustände gibt, aber die gibt es auch in der häuslichen Pflege! Schert jetzt nicht alle Altenheime über einen Kamm!!! Es gibt sehr viele Pflegekräfte, die mit Herz und Leidenschaft pflegen, egal wie stressig es ist!!!"

Romana T.:

"Ich bin immer noch geschockt. Auch ich bin selber in der Pflege tätig. Dass dieser Beruf nicht einfach ist, weiß man auch vorher. Man wird jeden Tag aufs Neue vor Herausforderungen gestellt. Aber ich und auch viele andere machen es, weil sie Gutes tun wollen, weil wir die Menschen auf ihrer letzten Station begleiten und alles machen, um ihnen die letzten Wünsche zu erfüllen. Und ihr Lächeln ist der Dank für meine Arbeit. Ich finde es super, dass es aufgedeckt worden ist. Und bete, dass sich endlich was ändert. Weil die Menschen es nicht verdient haben, so behandelt zu werden."

Ines B.:

"Ich will nicht bestreiten, dass es sowas gibt...aber es kotzt mich grad sowas von an. Immer werden solche Missstände breitgetreten...und dann muss man sich schämen Altenpfleger zu sein. Anstatt den Beruf endlich attraktiver zu machen, damit mehr sich für den Beruf entscheiden. [...]

"Es braucht bessere Rahmenbedingungen"

Ive W.: "Hoffentlich passiert endlich was. Dass keine qualitativ hochwertige Pflege unter solchen Umständen stattfinden kann, liegt auf der Hand. Ich als Pflegekraft bin schockiert, was in deutschen Pflegeheimen abläuft, und wie man unter solchen Arbeitsbedingungen abstumpfen kann."

Mi B.:

"Ich arbeite als Pflegefachkraft und ich tue mein Bestes! Viele Kollegen denken wie ich und arbeiten sich an den Rand des physisch und psychisch Machbaren und manche darüber hinaus! Aber wir wehren uns! Wir wollen besser pflegen! Aber dafür braucht es bessere Rahmenbedingungen! Da ist die Politik gefragt!"

Christiane N.:

"Ich habe mir meine Knochen in diesem Job kaputt gearbeitet und habe ihn trotzdem sehr gern ausgeübt. Hatte Tränen in den Augen, als ich euren Beitrag gesehen habe. Aber leider ist es so, dass viel mit Praktikanten und Hilfskräften gearbeitet wird, die nicht einmal Grundkenntnisse besitzen, weil man nur an den Profit denkt. Wenig Personal und viel Arbeit. Musste solche Zustände wie sie gezeigt wurden nicht erleben, bin trotzdem oft mit einem schlechten Gewissen nach Hause gegangen. Es gibt auch engagierte Kräfte, die versuchen etwas zu ändern."

Daniel Bakir
Themen in diesem Artikel