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Pharmaindustrie: Kartellamt durchsucht Bayer-Standorte

Das Bundeskartellamt hat am Vormittag mehrere Standorte des Pharmakonzerns Bayer durchsucht. Anlass war ein Bericht des stern über verbotene Preisabsprachen mit mehr als 11.000 Apotheken.

Von Markus Grill

Bereits am Mittwoch hatte Bayer gegenüber dem Kartellamt versichert, an der Aufklärung der Vorwürfe mitarbeiten zu wollen. Dennoch rückten am heutigen Donnerstag mehrere Beamte des Kartellamts gemeinsam mit der Polizei an, um die Bayer-Standorte Leverkusen und Köln zu durchsuchen. Ziel war, nach Darstellung des Kartellamts, "die Sicherstellung der relevanten Dokumente".

Der stern veröffentlicht in seiner aktuellen Ausgabe eine firmeninterne E-Mail eines Bayer-Managers, in der wörtlich die "Spielregeln" erklärt werden, unter denen Bayer den Apotheken einen Zusatzrabatt in Höhe von bis zu drei Prozent auf deren Medikamenten-Bestellung gewährt. In der E-Mail heißt es: "Als nicht verantwortbar betrachten wir Preisaktionen, die 4 Wochen überschreiten" oder "Preisaktionen mit Preissenkungen von mehr als 20 Prozent vom empfohlenen Verkaufspreis". "Nur unter Einhaltung dieser Spielregeln", so der Leiter des Außendienstes von Bayer Vital könne den Apothekern ein Zusatzrabatt gewährt werden von "bis zu 3 Prozent für die Positionierung der Bayer-Produkte als Premiumprodukte".

Bussgeld bis zu 2,9 Milliarden Euro möglich

Die Abmachungen mit den einzelnen Apotheken trafen die Außendienstler nicht etwa per Handschlag, sondern schriftlich. Dazu existiert ein Formular von Bayer mit der Überschrift "OTC-Zielvereinbarung 2007". In diesem Formular werden zunächst einige legale Rabatte aufgelistet: Mengenrabatte, Zielbonus, Rabatt für marktgerechte Präsentation usw. In einem leeren Feld unter der Überschrift "Qualitative Maßnahme" wurde dann als "3. Bestandteil des Partnerschaftsbonus" handschriftlich der Satz eingefügt: "bis zu 3 % für die Positionierung der Bayer-Produkte als Premiumprodukte" - wenn die Apotheker versprachen, sich an die oben erwähnten "Spielregeln" zu halten.

Auf Anfrage des stern teilt der Bayer-Konzern mit: "Bis zum Ende des Jahres 2007 werden voraussichtlich mit ca. 13.000 Apotheken Zielvereinbarungen abgeschlossen." Nach Insider-Informationen sollen weit mehr als 90 Prozent der Apotheken die Abmachung inklusiv des vermutlich illegalen "3. Bestandteil des Partnerschaftsbonus" abgeschlossen haben. Nach Ansicht des Bundeskartellamts wäre "eine solche Einflussnahme auf den Verkaufspreis des Händlers (hier: der Apotheke) durch den Hersteller nach nationalem und europäischem Wettbewerbsrecht verboten."

Der Grundbetrag für mögliche Bußgelder orientiert sich dabei am Umsatz der betroffenen Bayer-Tochter, der Bayer Vital GmbH (670 Millionen Euro) und beträgt bis zu 30 Prozent (200 Millionen Euro). Die Höchstgrenze für Kartellvergehen liegt bei zehn Prozent des Umsatzes des Gesamtkonzerns - bei Bayer wären das 2,9 Milliarden Euro.

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