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Prüfungsangst bei den Banken Europas: Bankenregulierer CEBS veröffentlicht Stresstests

Die Stunde der Wahrheit rückt näher: Freitag ab 18 Uhr will der europäische Bankenregulierer CEBS die Stresstests der europäischen Banken veröffentlichen. Doch schon der Ablauf des Tests in Europa verlief chaotisch.

Es ist angerichtet: Nach wochenlangen hektischen Rechenübungen ist für die europäischen Banken am Freitag der Tag der Wahrheit. Voraussichtlich ab 18 Uhr veröffentlichen die 91 geprüften Institute in Abstimmung mit dem europäischen Bankenregulierer CEBS die mit Spannung erwarteten Ergebnisse ihrer Stresstests. Bis zuletzt rangen Aufseher und Vorstände am Donnerstag darum, wie stark sich die Institute in die Karten schauen lassen müssen. Klar ist schon jetzt, dass die Banken viel mehr Zahlen zu Kapital und Risiken veröffentlichen werden als ursprünglich gedacht. Die Investoren in Europa haben dann bis Montagmorgen Zeit, die Fakten einzuordnen und zu interpretieren.

In Deutschland dürfte Finanzkreisen zufolge der Münchener Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate der einzige Sitzenbleiber unter den 14 getesteten Banken sein. Da das verstaatlichte Institut aber ohnehin bald alle toxischen Papiere in eine Bad Bank auslagert, ist das Ergebnis bedeutungslos. Viel spannender ist daher die Frage, wie einzelne Wackelkandidaten etwa aus dem Landesbankenlager abschneiden, wie ihr Kapital unter Stressbedingungen abschmilzt.

In dem Test werden die Auswirkungen eines Konjunktureinbruchs und eines Kursverfalls bei Staatsanleihen auf die Bankbilanzen geprüft. Als bestanden gilt der Test, wenn die Kernkapitalquote als zentrale Kennziffer in diesen Szenarien nicht unter sechs Prozent rutscht. Die Ergebnisse sollen zeigen, welchen Kapitalpuffer die Institute für solche Extrembedingungen haben. Mit der Offenlegung soll das von der Finanzkrise erschütterte Vertrauen der Investoren in die europäischen Banken gestärkt werden - nach dem Vorbild der USA, wo dies im vergangenen Jahr mit einem solchen Test geglückt ist.

Kritik aus der Branche

Doch anders als in Übersee verlief der Stresstest in Europa chaotisch. Die nationalen Bankenaufseher und Regierungen wollten bis zuletzt Änderungen an den Prüfungsaufgaben durchsetzen und stritten über den Veröffentlichungstermin. Ein Sprecher der EU-Kommission betonte, nach seinem Kenntnisstand bleibe es bei 18 Uhr. Über letzte Details wollten sich die Finanzministerien der beteiligten Länder im Lauf des Donnerstags verständigen. Das Chaos sorgt unter Bankern nur noch für Kopfschütteln. "In der Bankenbranche wird die Vorgehensweise sehr kritisch gesehen", sagte ein hochrangiger Banker. "Das ist eine mittlere intellektuelle Katastrophe."

Noch bevor die Ergebnisse auf dem Tisch liegen, wird ihre Aussagekraft bereits in Zweifel gezogen. Ein Grund hierfür ist die Ausgestaltung. So müssen Kreisen zufolge die Banken die in dem Test simulierten Abschläge am Staatsanleihenmarkt nur auf Papiere im Handelsbuch vornehmen - hier sind die zum Verkauf bestimmten Wertpapiere bilanziert. Die Mehrzahl der Staatsanleihen liegt allerdings im Bankbuch - wo die Papiere bis zur Fälligkeit gehalten werden - und bleiben bei dem getesteten Staatsanleihencrash außen vor. Damit halten sich aber auch die Folgen für die Banken in Grenzen - zumal im Handelsbuch die Papiere ohnehin bereits mit kräftigen Abschlägen verbucht sind.

Kritiker bemängeln zudem seit Wochen die unterstellten Szenarien als zu lax und rückwärtsgewandt. Damit dürfte die Diskussion um die Bewertung der Prüfungsergebnisse auch nach der Veröffentlichung nicht abebben. Kurzfristig macht sich am Markt indes Erleichterung breit, dass die Tests wohl keine negativen Überraschungen bereit halten. "Es gab Gerüchte, dass die Tests deutlich besser ausfallen als gedacht, daraufhin haben einige gekauft", sagte ein Händler. Aktien der Deutschen Bank stiegen am Donnerstag um 1,6 Prozent, Commerzbank um 1,8 Prozent.

Reuters / Reuters