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QUARTALSZAHLEN: Deutsche Bank rutscht tief in die roten Zahlen

Die Deutsche Bank machte überraschend einen Quartalsverlust von 181 Millionen Euro und auch die Post kämpft gegen einen Gewinnrückgang. Der Dax nahm's gelassen.

Das deutsche Bankenflaggschiff ist im dritten Quartal wegen einer massiv aufgestockten Risikovorsorge und eines schwachen Handelsergebnisses überraschend tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Konzernverlust vor Steuern lag bei 181 Millionen Euro nach einem Gewinn von 363 Millionen Euro im Vorjahresquartal, teilte Deutschlands größte Bank am Donnerstag mit. Deutsche Bank-Vorstandschef Josef Ackermann zeigte sich trotz des Verlustes zuversichtlich, für 2002 ein zufrieden stellendes Ergebnis vorzulegen. Bei den geplanten Kosteneinsparungen komme die die Bank schneller als geplant voran.

Auch Hypo schockte die Märkte

Auch die HypoVereinsbank hatte vergangene Woche mit einem Vorsteuerverlust im dritten Quartal die Märkte geschockt. Investoren werteten dies bereits als deutlichen Beleg für die Ertragskrise im gesamten deutschen Bankensektor. Analysten hatten für die Deutsche Bank im Durchschnitt mit einem Gewinn von 282 Millionen Euro gerechnet. Die Schätzungen hatten allerdings stark geschwankt, wobei von einigen Experten ein Verlust bereits erwartet wurde.

DB operativ genauso schwach wie Konkurrenz

Analysten erklärten in ersten Reaktionen übereinstimmend, die Bank habe im operativen Bereich ebenso gelitten wie ihre Wettbewerber. Ein Frankfurter Bankenexperte sagte: »Es zeigt sich, dass die Deutsche Bank im operativen Bereich nicht so gut ist wie sie den Anlegern im zweiten Quartal noch glauben machen wollte. Die stillen Reserven scheinen weitgehend aufgezehrt.« Rechnet man den Einmalgewinn aus der Dekonsolidierung der Hypothekenbanktochter Eurohypo heraus, ergibt sich sogar ein noch deutlicherer Verlust, erläuterte ein anderer Analyst. »Das ist dann doch schwächer als erwartet.«

Stark erhöhte Risikovorsorge

Die Risikovorsorge der Deutschen Bank erhöhte sich deutlich auf 753 (Vorjahr: 135) Millionen Euro nach 135 Millionen Euro im Vorjahr. Das Handelsergebnis brach auf 904 Millionen (1,993 Milliarden) Euro ein. Die zinsunabhängigen Aufwendungen sanken binnen Jahresfrist auf 4,892 Milliarden Euro nach 6,043 Milliarden Euro im Vorjahr. Bei ihrem Ziel, die Kosten bis Ende 2003 um jährlich zwei Milliarden Euro zu senken, komme die Bank schneller voran als geplant, hieß es. Es seien bislang 10.000 Arbeitsplätze im Konzern weggefallen. Insgesamt will die Bank mehr als 14.000 Stellen streichen. Das im Juni gestartete Aktienrückkaufprogramm sei bereits zu mehr als einem Drittel umgesetzt.

Trotzdem zuversichtlich fürs Gesamtjahr

Bank-Chef Ackermann zeigte sich trotz des hohen Quartalsverlusts für das Gesamtjahr zuversichtlich. »Heute, zwei Monate vor Ende des Jahres sind wir zuversichtlich, Ihnen ein zufrieden stellendes Ergebnis für das Gesamtjahr 2002 vorlegen zu können, das die Belastbarkeit unseres Geschäftsmodells selbst in diesem schwierigen Umfeld belegt«, hieß es in einem Brief Ackermanns an die Aktionäre. Dies scheint möglich, da die Bank im zweiten Quartal aus Beteiligungsverkäufen und durch die Hebung stiller Reserven mehr als zwei Milliarden Euro erlöst hatte. Im vierten Quartal wird das Geldhaus unter anderem den in der vergangenen Woche bekannt gegebenen Verkauf ihrer Beteiligung an der Deutschen Börse verbuchen.

Post mit Umsatzplus und Gewinnrückgang

Auch die Deutsche Post hat in den ersten neun Monaten 2002 den Umsatz um 16 Prozent auf 28,8 Milliarden Euro gesteigert und einen Gewinnrückgang um 5,3 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro zu verzeichnen. Bei der Vorstellung der Zahlen am Donnerstag in Frankfurt am Main begründete das Unternehmen den Gewinnrückgang mit der »anhaltend schwierigen konjunkturellen Lage«.

Brüssel bremst die Zahlen aus

Das Ergebnis nach Steuern, der Jahresüberschuss, lag in den ersten neun Monaten bei 1,3 Milliarden Euro und damit auf Vorjahresniveau. Der Konzerngewinn wird durch die Brüsseler Beihilfe-Entscheidung belastet. »Die Deutsche Post World Net ist zur Zahlung von 800 Millionen Euro verpflichtet, was den Konzerngewinn in den ersten neun Monaten des Jahres 2002 auf 392 Millionen Euro schmälert (Vergleichszeitraum des Vorjahres 1,3 Milliarden Euro)«, so der Konzern weiter.